Region Ems-Achse

Ems-Achse

Bevölkerung von 1,131 Mio. Personen

rund 95.000 Personen arbeiten in der Industrie (18,7 % der Beschäftigten)

Die industrielle Transformationsregion Ems-Achse steht vor einer gemischten Ausgangslage: Einerseits weist sie in einzelnen Bereichen der Wirtschaft und Infrastruktur klare Stärken auf, andererseits zeigen sich deutliche strukturelle Schwächen und Transformationshemmnisse. Positiv hervorzuheben sind der sehr weit fortgeschrittene Glasfaserausbau, ein stabiler Arbeitsmarkt mit positiven Beschäftigungsperspektiven sowie eine überdurchschnittliche Tourismusintensität. Auch die hohe Aktivität im Bereich der erneuerbaren Energien schafft gute Voraussetzungen für eine nachhaltige Energiezukunft.

Demgegenüber steht eine vergleichsweise geringe Innovations- und Forschungsaktivität, insbesondere in technologieorientierten Transformationsfeldern. Die Region verliert junge Menschen, weist ein unterdurchschnittliches Qualifikationsniveau auf und hat Nachholbedarf bei der Wärmewende im Gebäudebestand. Zudem zeigen die Szenarien, dass die Ems-Achse weniger robust gegenüber zukünftigen Entwicklungen ist. Für Politik, Wirtschaftsförderung und regionale Akteure gilt es, die Stärken in den Transformationsfeldern Green & Smart Mobility und Green Economy gezielt zu stärken, die Forschungsaktivität zu erhöhen und die Transformation zu einer stärker innovationsgetriebenen Industrieregion strategisch zu unterstützen.

Rahmenbedingungen

In der Gesamtschau über alle Indikatoren zählt die ITR zu den Regionen, die angesichts der Herausforderungen im Zuge der Transformation überdurchschnittlich gefordert sind:

  • Ein zentraler Indikator für die Transformation ist der Anpassungsdruck auf die lokalen Arbeitsmärkte: Wie viele Arbeitsplätze gehen branchenspezifisch verloren und wie viele entstehen neu? Dabei zeigt sich, dass Beschäftigte, die ihren Arbeitsplatz in einer bestimmten Branche verlieren, diesen in der Regel nicht ohne Weiteres in einer anderen Branche ersetzen können – etwa aufgrund notwendiger Weiterbildungen oder Umschulungen. Um diesen Anpassungsdruck messbar zu machen, werden alle „bewegten“ Arbeitsplätze – also die Summe aller Verluste und aller Zugewinne – ins Verhältnis zur Gesamtzahl der Arbeitsplätze gesetzt. 
    → Das Ergebnis zeigt: Der Anpassungsdruck liegt im Durchschnitt.

  • Die Fläche einer ITR ist begrenzt. In der zukünftigen Flächennachfrage von Unternehmen, Haushalten und öffentlichen Einrichtungen zeigt sich, wie stark die vorhandene Fläche durch sozioökonomische Aktivitäten beansprucht wird. 
    → In der ITR Ems-Achse ist der Flächendruck durchschnittlich.

  • Der Blick in die Zukunft ist komplex: Wie verhält sich die ITR unter verschiedenen zukünftigen Entwicklungspfaden? Welche Auswirkungen haben etwa ein veränderter Außenhandel, das Sondervermögen für Infrastruktur, Klimaanpassungsmaßnahmen oder der beschleunigte Ausbau erneuerbarer Energien? In einem ökonometrischen Modell werden gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge modelliert und die Implikationen verschiedener Entwicklungspfade empirisch messbar. Für die Bewertung Szenarien ist die Beschäftigungswirkung ausschlaggebend. 
    → In der ITR variiert die Gesamtbeschäftigung zwischen den gerechneten Szenarien im Jahr 2035 um 3,3 %. Dieser Wert liegt über dem bundesweiten Durchschnitt (2,6 %) und zeigt damit, dass die ITR Ems-Achse weniger robust gegenüber anstehenden Veränderungen ist.

SWOT-Profil

Stärken

  • Der sehr weit fortgeschrittene Glasfaserausbau sorgt für eine überdurchschnittlich gute digitale Infrastruktur und stärkt die Standortattraktivität für Unternehmen.
  • Eine positive Beschäftigungsentwicklung und überdurchschnittliche Erwartungen für die kommenden Jahre deuten auf eine insgesamt stabile Wirtschaftsdynamik hin.
  • Eine ausgewogene Wirtschaftsstruktur mit einem gesunden Verhältnis zwischen Produktion und Dienstleistungen trägt zur regionalen Stabilität bei.
  • Überdurchschnittlicher Ausbau erneuerbarer Energien schafft langfristige Potenziale für Energieautarkie und Klimaneutralität.
  • Hohe Tourismusintensität und ein starker Dienstleistungssektor in den Bereichen Kultur und Gastgewerbe fördern regionale Wertschöpfung und Standortimage.

Chancen

  • Starke Unternehmensaktivität in den Transformationsfeldern Green Economy (hier auch sehr gute Patentaktivitäten) und Green & Smart Mobility bietet Potenziale für nachhaltiges Wachstum und technologische Spezialisierung.
  • Die starke Position im Bereich der erneuerbaren Energien ermöglicht eine aktive Rolle in der Energiewende und im Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten.
  • Sehr gute digitale Infrastruktur kann als Hebel für Innovation, Vernetzung und neue Geschäftsmodelle dienen.
  • Der Tourismus bietet Anknüpfungspunkte für nachhaltige regionale Entwicklung, insbesondere in Verbindung mit Klimaschutz und Kulturwirtschaft.

Schwächen

  • Geringe Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in nationalen und europäischen FuE-Projekten hemmen den technologischen Fortschritt.
  • Nachholbedarf bei der Wärmewende im Gebäudebestand signalisiert Handlungsbedarf in der kommunalen Energie- und Infrastrukturplanung.
  • Unterdurchschnittliche Qualifikationsstruktur und hohe Anteile von Beschäftigten in einfachen Tätigkeiten erschweren die Anpassung an neue technologische Anforderungen.
  • Geringe Steuerkraft und niedriges Lohnniveau begrenzen die kommunalen und privaten Investitionsspielräume.
  • Schwächen in der öffentlichen Daseinsvorsorge, insbesondere bei Krankenhausbetten, wirken sich negativ auf die Standortqualität aus.

Risiken

  • Niedrige Exportorientierung erhöht die Abhängigkeit von Binnenmärkten und zeigt mangelnde Integration in internationale Arbeitsteilung an.
  • Abwanderung insbesondere junger Menschen schwächt langfristig die demografische und wirtschaftliche Erneuerungskraft.
  • Hohe Materialkosten und geringe Bruttowertschöpfung pro Industrie- und Gewerbefläche (Flächeneffizienz) deuten auf eine eingeschränkte Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft hin.
  • Ein ungünstig hoher Personalbestand in der Verwaltung birgt das Risiko einer hohen Kostenbelastung und strukturellen Ineffizienz der Verwaltung und Bürokratie.
  • Der hohe Anteil von Erwerbstätigen mit Hilfstätigkeiten verfestigt das geringe Medianentgelt und birgt das Risiko einer anhaltend schwachen Kaufkraft und mangelnder Zukunftsfähigkeit der Region.

Transformations-Benchmark

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Standortvorteil

neutral

Standortnachteil

Position der Transformations-Region im Vergleich aller Regionen, dargestellt in Rängen

max

Wettbewerb

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Exportquote

51,2

Rang 35 von 38

Importquote

40,4

Rang 3 von 38

Terms of Trade

99

Rang 23 von 38

Lohnstückkosten

24,2

Rang 7 von 38

Materialstruktur

87,6

Rang 30 von 38

Demografie

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Erwerbsbevölkerung

63,1

Rang 28 von 38

Bevölkerungsentwicklung, letzte 5 Jahre

2,8

Rang 11 von 38

Wanderungssaldo

2

Rang 28 von 38

Medianentgelt

3.538,2

Rang 31 von 38

Anteil der 0-18 Jährigen

17,3

Rang 11 von 38

Arbeit

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Beschäftigtenentwicklung, letzte 5 Jahre

3,2

Rang 16 von 38

Erwerbstätige mit Hilfstätigkeiten

22,8

Rang 33 von 38

Anteil von Engspassberufen

27,4

Rang 15 von 38

Arbeitsmarkttransformation

0,2

Rang 24 von 38

Beschäftigtenerwartung, zukünftige 5 Jahre

1,4

Rang 3 von 38

Unternehmen

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Insolvenzrisiko

0,4

Rang 28 von 38

Durchschnittsgröße der Unternehmen

9,3

Rang 18 von 38

Produktions-Dienstleistungs-Verhältnis

0,6

Rang 11 von 38

Geschäftsgründungen

0,2

Rang 15 von 38

Geschäftsaufgaben

0,1

Rang 15 von 38

Energie

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Einfluss energieintensiver Branchen

8,7

Rang 17 von 38

Energieintensität der Industrie

443.217,3

Rang 30 von 38

EE-Ausbau

4,4

Rang 3 von 38

Wärmewende Wohngebäude

3,3

Rang 38 von 38

Wasserstoffpotenzial

2.660.740

Rang 22 von 38

Fläche

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Flächendruck

0,8

Rang 19 von 38

Flächenversiegelung

15,5

Rang 26 von 38

Flächeneffizienz

266.768,1

Rang 34 von 38

Soziale Infrastruktur

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Pflegeheimplätze pro 10.000 Einwohner

104,3

Rang 22 von 38

Allgemeinärzte pro 10.000 Einwohner

4

Rang 17 von 38

Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner

5

Rang 30 von 38

Betreuungsquote: Anteil der Kinder unter 3 Jahren in Betreuung (Kindertagesbetreuung)

35,7

Rang 17 von 38

Infrastruktur

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Bevölkerungsdichte

146,4

Rang 31 von 38

Glasfaserausbau

62,5

Rang 2 von 38

Erreichbarkeit KV-Terminal

28,2

Rang 9 von 38

Pendelintensität

0,3

Rang 26 von 38

Verwaltung

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Schulden in Euro pro Einwohner

1.160,9

Rang 20 von 38

Personal in der Verwaltung pro 10.000 Einwohner

129,5

Rang 33 von 38

Steuerkraft pro Einwohner

799,8

Rang 30 von 38

Bildung

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Kohortenveränderung

3.771

Rang 34 von 38

Erreichbarkeit von Schulen

8

Rang 30 von 38

Anteil von Personen im Bildungssystem (akademisch & beruflich)

0,2

Rang 29 von 38

Attraktivität

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Tourismusintensität

13

Rang 3 von 38

Anteil der Beschäftigten in Kunst, Unterhaltung, Kultur und Gastgewerbe

5,4

Rang 4 von 38

Sportvereinsdichte

113,7

Rang 15 von 38

Branchendynamik

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Energie

45

Rang 15 von 38

Klima

33

Rang 24 von 38

Verfassungspaket

36

Rang 24 von 38

Welthandel

36

Rang 15 von 38

Transformations- und Anwendungsfelder

Transformations- und Anwendungsfelder im regionalen Vergleich

Anwendungsfelder

Bewertungen im Bundesvergleich

Index-Betrachtung verschiedener Indikatoren:
Der Indexwert berechnet sich durch die Ausprägung der Region im jeweiligen Indikator im Vergleich zum Bund (1,0 = Bundesdurchschnitt).

Anwendungsfelder

Bewertungen im Bundesvergleich

Index-Betrachtung verschiedener Indikatoren:
Der Indexwert berechnet sich durch die Ausprägung der Region im jeweiligen Indikator im Vergleich zum Bund (1,0 = Bundesdurchschnitt).

Anwendungsfelder

Bewertungen im Bundesvergleich

Index-Betrachtung verschiedener Indikatoren:
Der Indexwert berechnet sich durch die Ausprägung der Region im jeweiligen Indikator im Vergleich zum Bund (1,0 = Bundesdurchschnitt).

Anwendungsfelder

Bewertungen im Bundesvergleich

Index-Betrachtung verschiedener Indikatoren:
Der Indexwert berechnet sich durch die Ausprägung der Region im jeweiligen Indikator im Vergleich zum Bund (1,0 = Bundesdurchschnitt).

Gesamtwirtschaftliche Szenarien

Wie wirken geopolitische Veränderungen, Investitionsimpulse oder der Klimawandel auf die Wirtschaft?

Szenario Welthandel

Veränderter Welthandel mit „Branchenmuster" (→ Automobile, Metallerzeugung)

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Szenario Verfassungspaket

Verfassungspaket der Bundesregierung (→ Verteidigung, Intrastruktur)

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Szenario Klimafolgen u. Anpassung

Klimafolgen u. Anpassung (→ Betroffenheiten und Anpassungsreaktionen)

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Szenario erneuerbare Energien.

Wirkungen eines verstärkten Ausbaus erneuerbarer Energien. (→ Wind, PV, Speicher und Wärmewende)

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Mehr Informationen zur Berechnung der Szenarien finden Sie hier

Industrieinitiativen in dieser Transformationsregion

Hinweise zur Methodik

Raumbezug

Die 38 industriellen Transformationsregionen (ITRs) basieren auf einem eigens entwickelten, funktionalen Zuschnitt von Regionen. Grundlage dafür sind die Raumordnungsregionen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), die für diesen Zweck systematisch entlang industrieller Pendlerverflechtungen und regionaler Kooperationsbeziehungen neu gruppiert wurden.

Im Zentrum steht die Frage: Wo finden wirtschaftlich-industrielle Aktivitäten tatsächlich statt – jenseits administrativer Grenzen? Durch die Kombination von Pendlerdaten, Branchenstrukturen und Kooperationsnetzwerken bildet der Zuschnitt die realen wirtschaftlichen Verflechtungen besser ab als klassische Verwaltungsregionen.

Die ITRs spiegeln somit funktionale Wirtschaftsräume wider, in denen sich die Herausforderungen und Chancen der industriellen Transformation in besonders konzentrierter Form zeigen. Ziel ist es, Regionen gezielt zu analysieren und vergleichend zu bewerten, um passgenaue Strategien zur Förderung industrieller Transformation ableiten zu können – sei es in der Regionalentwicklung, der Wirtschaftsförderung oder der Industriepolitik.

Hinweis: Eine vollständige Übersicht über die Zusammensetzung der Industriellen Transformationsregion (inklusive Raumordnungsregionen und Kreise), steht hier als Excel-Datei zum Download bereit.
 

SWOT-Profil

Das SWOT-Profil bündelt die zentralen Erkenntnisse aus der Analyse der industriellen Transformationsregionen (ITR). Es basiert auf den Ergebnissen des Transformations-Benchmarks, der Auswertung der Transformations- und Anwendungsfelder sowie einer ökonometrischen Szenariobetrachtung. Die SWOT fasst Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken pro Region zusammen und bietet eine schnelle Einordnung relevanter Handlungsbedarfe.

Transformations-Benchmark

Der Transformations-Benchmark vergleicht alle 38 ITRs anhand von über 50 relevanten Indikatoren. Die Daten werden vergleichbar aufbereitet, standardisiert und zu einem Rangwert verarbeitet – so lassen sich regionale Ausprägungen im Verhältnis zu anderen Regionen bewerten.

Datengrundlage sind folgende öffentlich zugängliche, regelmäßig aktualisierte Quellen:

Hinweis: Eine vollständige Übersicht aller berücksichtigten Indikatoren, inkl. Definitionen, Bewertungslogik und Skalierung, steht als Excel-Datei hier zum Download bereit.

Transformations- und Anwendungsfelder

Zur Analyse von Forschung, Innovation und wirtschaftlichen Aktivitäten mit Transformationsbezug in den einzelnen Regionen wurden verschiedene nationale, europäische und unternehmensbezogene Datenquellen semantisch ausgewertet. Ein KI-gestütztes Zuordnungsverfahren auf Basis eines Large Language Models (LLM) identifiziert, in welchen Transformations- und Anwendungsfeldern eine Region besonders aktiv ist.

Dabei werden aktuelle Forschungsprojekte, Patente und Unternehmensaktivitäten systematisch miteinander verknüpft, um ein präzises Bild der regionalen Innovationslandschaft zu zeichnen. So wird sichtbar, wo technologische Schwerpunkte entstehen, welche Themen die Transformation prägen – und wo sich künftig wirtschaftliche Chancen bündeln.

Dieser datenbasierte Ansatz schafft eine vergleichbare Grundlage zur Bewertung regionaler Transformationspotenziale – und unterstützt gezielte Entscheidungen in Innovationspolitik, Standortentwicklung und Wirtschaftsförderung.

Datenquellen:

Bei Förderprojekten und Patenten ist der Betrachtungszeitraum die vergangenen fünf Jahre (01/2019 – 12/2024) und bei den Unternehmensdaten der Zeitpunkt 12/2024. Die Aktivitäten werden je Feld als Indexwert dargestellt. So zeigt sich, in welchen Themenbereichen die Region überdurchschnittlich vertreten ist – im Vergleich zu anderen ITRs.