Ostwestfalen-Lippe
Bevölkerung von 2,085 Mio. Personen
rund 256.000 Personen arbeiten in der Industrie (25,5 % der Beschäftigten)
Die industrielle Transformationsregion Ostwestfalen-Lippe gehört zu den industriell geprägten Regionen Deutschlands und steht angesichts mehrerer struktureller Herausforderungen vor einem anspruchsvollen Transformationsprozess. Die Region verfügt über eine überdurchschnittliche Industriequote, ein hohes Beschäftigungsniveau und eine robuste Arbeitsmarktlage. Ein hoher Anteil junger Menschen und eine starke Bildungsbeteiligung gelten als wichtige demografische Standortvorteile. Gleichzeitig bestehen deutliche Schwächen in der Forschungs- und Innovationsleistung: Bei Förderprojekten, Patenten und EU-Projekten zeigt sich die Region unterdurchschnittlich aktiv. Auch die Szenarienbewertung weist auf eine erhöhte Vulnerabilität gegenüber klima- und strukturpolitischen Veränderungen hin. Im Gegensatz dazu zeigen sich günstige Perspektiven im Szenario des internationalen Handels. Für Politik, Wirtschaftsförderung und Unternehmen gilt es, die vorhandene industrielle Basis durch gezielte Innovationsförderung und Clusterbildung zu modernisieren, die Transformationsfelder Sustainable Building und Smart Production auszubauen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts langfristig abzusichern.
Rahmenbedingungen
In der Gesamtschau über alle Indikatoren zählt die ITR zu den Regionen, die angesichts der Herausforderungen im Zuge der Transformation besonders gefordert sind:
Ein zentraler Indikator für die Transformation ist der Anpassungsdruck auf die lokalen Arbeitsmärkte: Wie viele Arbeitsplätze gehen branchenspezifisch verloren und wie viele entstehen neu? Dabei zeigt sich, dass Beschäftigte, die ihren Arbeitsplatz in einer bestimmten Branche verlieren, diesen in der Regel nicht ohne Weiteres in einer anderen Branche ersetzen können – etwa aufgrund notwendiger Weiterbildungen oder Umschulungen. Um diesen Anpassungsdruck messbar zu machen, werden alle „bewegten“ Arbeitsplätze – also die Summe aller Verluste und aller Zugewinne – ins Verhältnis zur Gesamtzahl der Arbeitsplätze gesetzt.
→ Das Ergebnis zeigt: Die ITR Ostwestfalen-Lippe sieht sich einem unterdurchschnittlichen Anpassungsdruck ausgesetzt.Die Fläche einer ITR ist begrenzt. In der zukünftigen Flächennachfrage von Unternehmen, Haushalten und öffentlichen Einrichtungen zeigt sich, wie stark die vorhandene Fläche durch sozioökonomische Aktivitäten beansprucht wird.
→ In der ITR Ostwestfalen-Lippe ist der Flächendruck besonders hoch.Der Blick in die Zukunft ist komplex: Wie verhält sich die ITR unter verschiedenen zukünftigen Entwicklungspfaden? Welche Auswirkungen haben etwa ein veränderter Außenhandel, das Sondervermögen für Infrastruktur, Klimaanpassungsmaßnahmen oder der beschleunigte Ausbau erneuerbarer Energien? In einem ökonometrischen Modell werden gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge modelliert und die Implikationen verschiedener Entwicklungspfade empirisch messbar. Für die Bewertung Szenarien ist die Beschäftigungswirkung ausschlaggebend.
→ In der ITR Ostwestfalen-Lippe variiert die Gesamtbeschäftigung zwischen den gerechneten Szenarien im Jahr 2035 um 2,0 %. Dieser Wert liegt unter dem bundesweiten Durchschnitt (2,6 %) und zeigt damit, dass die ITR relativ robust gegenüber anstehenden Veränderungen ist.
SWOT-Profil
SWOT-Profil
Stärken
- Hoher Anteil junger Menschen und überdurchschnittliche Bildungsbeteiligung schaffen günstige Voraussetzungen für Fachkräfteentwicklung und langfristige Innovationsfähigkeit.
- Geringer Anpassungsdruck auf dem Arbeitsmarkt signalisiert eine stabile Beschäftigungsstruktur und eine im Vergleich stetige Entwicklung der Branchenstruktur.
- Vergleichsweise energieeffiziente Industrie ermöglicht eine vorteilhafte Ausgangsposition für die ökologische Transformation.
- Überdurchschnittliche Beschäftigungsentwicklung in den letzten Jahren und positive Erwartungen für die nächsten fünf Jahre deuten auf eine insgesamt robuste Wirtschaftsstruktur hin.
- Verbesserte Glasfaseranbindung in Gewerbegebieten stärkt die digitale Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu einem Großteil der ITR.
Chancen
- Die klare Stärke im Transformationsfeld Sustainable Building eröffnet Perspektiven für Spezialisierung, Wertschöpfung und Export in Zukunftsmärkten.
- Moderate Energieintensität der Industrie schafft Spielräume für Investitionen in energieeffiziente Produktionsprozesse.
- Die robuste Beschäftigungsentwicklung bietet gute Voraussetzungen, um Weiterbildung und Umschulung gezielt in Zukunftsbranchen zu lenken.
- Das günstige Abschneiden im Szenario Welthandel unterstreicht die internationale Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz der industriellen Basis.
- Mit gezielter Clusterförderung in den Feldern Smart Production und Sustainable Building lassen sich Unternehmensnetzwerke und Innovationspotenziale gezielt stärken.
Schwächen
- Ausgeprägte Fachkräfteengpässe und ein hoher Anteil von Beschäftigten in Hilfstätigkeiten schwächen die Arbeitsmarktflexibilität und Innovationsfähigkeit.
- Unterdurchschnittliche Forschungs- und Entwicklungstätigkeit bei nationalen und europäischen Förderprojekten limitiert technologische Fortschritte.
- Relativ hoher Anteil von Beschäftigten in insolvenzgefährdeten Unternehmen und vergleichsweise viele Geschäftsaufgaben deuten auf wirtschaftliche Verwundbarkeiten im Unternehmenssektor hin.
- Geringe Präsenz von kulturellen und touristischen Wirtschaftssektoren reduziert die Standortattraktivität und Diversität der regionalen Wirtschaftsstruktur.
- Ein im Vergleich ungünstiges Import-Export-Verhältnis sowie schwache Terms of Trade weisen auf mangelnde internationale Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft hin.
Risiken
- Relativ hohe Bedeutung energieintensiver Branchen birgt Risiken bei weiter steigenden Energiepreisen und verschärften Klimavorgaben.
- Schwache Performance in den Szenarien Klima und Verfassungspaket weist auf strukturelle Schwächen bei klimatischen und fiskalpolitischen Veränderungen hin.
- Geringe Forschungs- und Innovationsdichte in den meisten Transformationsfeldern kann den Anschluss an technologische Leitmärkte gefährden.
- Überdurchschnittliche Material- und Lohnkostenbelastung schwächt die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie im internationalen Vergleich.
- Starker Flächendruck und hohe Siedlungsdichte erhöhen Nutzungskonflikte und können nachhaltige Wachstumsstrategien einschränken.
Transformations-Benchmark
Transformations-Benchmark
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Standortvorteil
neutral
Standortnachteil
Position der Transformations-Region im Vergleich aller Regionen, dargestellt in Rängen
Wettbewerb
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Exportquote
55,3
Rang 20 von 38
Importquote
47,6
Rang 30 von 38
Terms of Trade
98,9
Rang 27 von 38
Lohnstückkosten
26
Rang 30 von 38
Materialstruktur
86,7
Rang 25 von 38
Demografie
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Erwerbsbevölkerung
63,7
Rang 18 von 38
Bevölkerungsentwicklung, letzte 5 Jahre
1,5
Rang 24 von 38
Wanderungssaldo
1,8
Rang 32 von 38
Medianentgelt
3.731,9
Rang 23 von 38
Anteil der 0-18 Jährigen
18
Rang 3 von 38
Arbeit
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Beschäftigtenentwicklung, letzte 5 Jahre
3,3
Rang 13 von 38
Erwerbstätige mit Hilfstätigkeiten
23,3
Rang 37 von 38
Anteil von Engspassberufen
32,4
Rang 38 von 38
Arbeitsmarkttransformation
0,2
Rang 9 von 38
Beschäftigtenerwartung, zukünftige 5 Jahre
0,9
Rang 9 von 38
Unternehmen
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Insolvenzrisiko
0,4
Rang 29 von 38
Durchschnittsgröße der Unternehmen
10
Rang 30 von 38
Produktions-Dienstleistungs-Verhältnis
0,5
Rang 16 von 38
Geschäftsgründungen
0,2
Rang 11 von 38
Geschäftsaufgaben
0,1
Rang 29 von 38
Energie
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Einfluss energieintensiver Branchen
12,6
Rang 34 von 38
Energieintensität der Industrie
195.333,7
Rang 9 von 38
EE-Ausbau
1,7
Rang 19 von 38
Wärmewende Wohngebäude
7,9
Rang 26 von 38
Wasserstoffpotenzial
1.609.000
Rang 29 von 38
Fläche
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Flächendruck
1
Rang 32 von 38
Flächenversiegelung
19,6
Rang 35 von 38
Flächeneffizienz
554.851,1
Rang 14 von 38
Soziale Infrastruktur
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Pflegeheimplätze pro 10.000 Einwohner
98,9
Rang 25 von 38
Allgemeinärzte pro 10.000 Einwohner
3,4
Rang 35 von 38
Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner
5,5
Rang 26 von 38
Betreuungsquote: Anteil der Kinder unter 3 Jahren in Betreuung (Kindertagesbetreuung)
31,9
Rang 28 von 38
Infrastruktur
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Bevölkerungsdichte
319,6
Rang 7 von 38
Glasfaserausbau
50,6
Rang 12 von 38
Erreichbarkeit KV-Terminal
33,8
Rang 19 von 38
Pendelintensität
0,1
Rang 35 von 38
Verwaltung
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Schulden in Euro pro Einwohner
1.274,6
Rang 21 von 38
Personal in der Verwaltung pro 10.000 Einwohner
145,6
Rang 25 von 38
Steuerkraft pro Einwohner
957,4
Rang 20 von 38
Bildung
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Kohortenveränderung
5.998
Rang 27 von 38
Erreichbarkeit von Schulen
6,7
Rang 8 von 38
Anteil von Personen im Bildungssystem (akademisch & beruflich)
0,2
Rang 4 von 38
Attraktivität
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Tourismusintensität
3,3
Rang 33 von 38
Anteil der Beschäftigten in Kunst, Unterhaltung, Kultur und Gastgewerbe
3,5
Rang 32 von 38
Sportvereinsdichte
111
Rang 18 von 38
Branchendynamik
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Energie
38
Rang 20 von 38
Klima
25
Rang 31 von 38
Verfassungspaket
17
Rang 33 von 38
Welthandel
21
Rang 8 von 38
Transformations- und Anwendungsfelder
Transformations- und Anwendungsfelder
Transformations- und Anwendungsfelder im regionalen Vergleich
Anwendungsfelder
Bewertungen im Bundesvergleich
Index-Betrachtung verschiedener Indikatoren:
Der Indexwert berechnet sich durch die Ausprägung der Region im jeweiligen Indikator im Vergleich zum Bund (1,0 = Bundesdurchschnitt).
Anwendungsfelder
Bewertungen im Bundesvergleich
Index-Betrachtung verschiedener Indikatoren:
Der Indexwert berechnet sich durch die Ausprägung der Region im jeweiligen Indikator im Vergleich zum Bund (1,0 = Bundesdurchschnitt).
Anwendungsfelder
Bewertungen im Bundesvergleich
Index-Betrachtung verschiedener Indikatoren:
Der Indexwert berechnet sich durch die Ausprägung der Region im jeweiligen Indikator im Vergleich zum Bund (1,0 = Bundesdurchschnitt).
Anwendungsfelder
Bewertungen im Bundesvergleich
Index-Betrachtung verschiedener Indikatoren:
Der Indexwert berechnet sich durch die Ausprägung der Region im jeweiligen Indikator im Vergleich zum Bund (1,0 = Bundesdurchschnitt).
Gesamtwirtschaftliche Szenarien
Wie wirken geopolitische Veränderungen, Investitionsimpulse oder der Klimawandel auf die Wirtschaft?
Gesamtwirtschaftliche Szenarien
Wie wirken geopolitische Veränderungen, Investitionsimpulse oder der Klimawandel auf die Wirtschaft?
Szenario Welthandel
Veränderter Welthandel mit „Branchenmuster" (→ Automobile, Metallerzeugung)
Szenario Verfassungspaket
Verfassungspaket der Bundesregierung (→ Verteidigung, Intrastruktur)
Szenario Klimafolgen u. Anpassung
Klimafolgen u. Anpassung (→ Betroffenheiten und Anpassungsreaktionen)
Szenario erneuerbare Energien.
Wirkungen eines verstärkten Ausbaus erneuerbarer Energien. (→ Wind, PV, Speicher und Wärmewende)
Datenbasis und Methodik
Der Atlas der industriellen Transformation basiert auf über 50 öffentlich zugänglichen Indikatoren und vergleicht 38 Regionen im Rahmen eines standardisierten Benchmarkings. Ergänzend werden Forschungsprojekte, Patente und Unternehmensdaten KI-gestützt analysiert, um regionale Transformationsaktivitäten zu identifizieren. Die zugrunde liegenden Daten stammen u. a. von der Bundesagentur für Arbeit, den Statistischen Ämtern, dem Förderkatalog (FÖKAT), dem EU-Portal CORDIS sowie der Patentdatenbank DEPATISnet.