Region Schwarzwald

Schwarzwald

Bevölkerung von 1,119 Mio. Personen

rund 184.000 Personen arbeiten in der Industrie (36,5 % der Beschäftigten)

Die industrielle Transformationsregion Schwarzwald zeichnet sich durch klare technologische Stärken aus: energieeffiziente Produktionsstrukturen sowie eine starke Position in Smart Production, insbesondere in Materialeffizienz und Industrierobotik. Diese Schwerpunkte werden durch eine relativ hohe Patentdichte gestützt und bieten eine solide Basis für zukünftige Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit. Demgegenüber steht eine schwache Beschäftigungsdynamik, die bereits in den letzten Jahren stagnierte und künftig weiter zurückgehen dürfte. Zusammen mit einem hohen Anteil an Hilfstätigkeiten und erhöhtem Insolvenzrisiko ergibt sich eine angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt. Die Chancen der Region liegen vor allem in ihrer Innovationskraft im Bereich Smart Production und im Gebäudesektor sowie in einem langfristigen Fachkräftepotenzial, das durch den hohen Anteil junger Menschen gestützt wird. Zudem zeigt die Region eine vergleichsweise hohe Resistenz gegenüber externen Szenarien. Die größten Risiken ergeben sich aus einem unzureichenden Ausbau erneuerbarer Energien, dem fehlenden Wasserstoffzugang sowie schwacher Aktivität in der Green Economy. Auch der hohe Flächendruck und die Importabhängigkeit bergen Gefahren für die langfristige Stabilität. Damit die Region ihre Stärken sichern kann, bedarf es einer strategischen Weichenstellung in den Bereichen Energieinfrastruktur, Fachkräftesicherung und Flächenmanagement.

Rahmenbedingungen

In der Gesamtschau über alle Indikatoren zählt die ITR Schwarzwald zu den Regionen, die angesichts der Herausforderungen mit der Transformation überdurchschnittlich gefordert sind:

  • Ein zentraler Indikator für die Transformation ist der Anpassungsdruck auf die lokalen Arbeitsmärkte: Wie viele Arbeitsplätze gehen branchenspezifisch verloren und wie viele entstehen neu? Dabei zeigt sich, dass Beschäftigte, die ihren Arbeitsplatz in einer bestimmten Branche verlieren, diesen in der Regel nicht ohne Weiteres in einer anderen Branche ersetzen können – etwa aufgrund notwendiger Weiterbildungen oder Umschulungen. Um diesen Anpassungsdruck messbar zu machen, werden alle „bewegten“ Arbeitsplätze – also die Summe aller Verluste und aller Zugewinne – ins Verhältnis zur Gesamtzahl der Arbeitsplätze gesetzt. 
    → Das Ergebnis zeigt: Die ITR Schwarzwald sieht sich einem unterdurchschnittlichen Anpassungsdruck ausgesetzt

  • Die Fläche einer ITR ist begrenzt. In der zukünftigen Flächennachfrage von Unternehmen, Haushalten und öffentlichen Einrichtungen zeigt sich, wie stark die vorhandene Fläche durch sozioökonomische Aktivitäten beansprucht wird. 
    In der ITR Schwarzwald ist der Flächendruck besonders hoch.

  • Der Blick in die Zukunft ist komplex: Wie verhält sich die ITR in verschiedenen zukünftigen Entwicklungspfaden? Welche Auswirkungen haben etwa ein veränderter Außenhandel, das Sondervermögen für Infrastruktur, Klimaanpassungsmaßnahmen oder der beschleunigte Ausbau erneuerbarer Energien? In einem ökonometrischen Modell werden gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge modelliert und die Implikationen verschiedener Entwicklungspfade empirisch messbar. Für die Bewertung der Szenarien ist die Beschäftigungswirkung ausschlaggebend. 
    → In der ITR variiert die Gesamtbeschäftigung zwischen den gerechneten Szenarien im Jahr 2035 um 3,8 %. Dieser Wert liegt deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt (2,6 %) und zeigt damit, dass die ITR Schwarzwald weniger robust gegenüber anstehenden Veränderungen ist.

SWOT-Profil

Stärken

  • Die Region verfügt über eine überdurchschnittlich energieeffiziente Produktionsstruktur.
  • Mit einem vergleichsweise hohen Anteil junger Menschen und einer positiven Bevölkerungsentwicklung weist die Region eine vergleichsweise gute Bevölkerungsstruktur auf.
  • Die Wertschöpfung ist maßgeblich durch Produktionsbranchen getragen und verteilt sich sowohl auf Großunternehmen als auch auf KMU.
  • In der Region sind überdurchschnittlich viele Unternehmen im Transformationsfeld Smart Production aktiv. Insbesondere die Anwendungsfelder Materialeffizienz und Industrierobotik können als regionale Forschungsschwerpunkte identifiziert werden. Dies wird ebenfalls durch eine relativ hohe Patentdichte untermauert.
  • Weitere Forschungsschwerpunkte im Bereich energieeffizientes Bauen und Fortschritte bei der Wärmewendeim Gebäudesektor zeigen die Stärke der Region in nachhaltigen Zukunftstechnologien. 

Chancen

  • Szenarienanalysen (insbesondere in den Bereichen Verfassungspaket, Energie und Klima) zeigen eine vergleichsweise geringe Abhängigkeit von Importen: Dies stärkt die Resilienz der Region und lässt auf eine Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Schocks schließen.
  • Eine niedrige Kohortenveränderung bei jungen Erwerbspersonen und ein hoher Anteil an jungen Menschen im Alter bis zu 18 Jahren lassen auf ein mittelfristig wachsendes Fachkräfteangebot schließen. Somit liegt hier ein Schlüssel zum Umgang mit der angespannten Arbeitsmarktsituation.
  • Eine eindeutige Innovationsstärke im Bereich Smart Production und im Gebäudesektor, die sich unter anderem am überdurchschnittlichen Patent-Index ableiten lässt, ist in der Region zu erkennen. Hier liegen technologische Entwicklungschancen, die es in Zukunft zu heben gilt.

Schwächen

  • Sowohl in den letzten fünf Jahren als auch mit Blick auf die kommenden Jahre stagniert oder sinkt die Beschäftigung, was auf eine schwache Arbeitsmarktdynamik hindeutet.
  • Die Arbeitsmarktstruktur ist überdurchschnittlich stark von Beschäftigten mit Hilfstätigkeiten geprägt, was die Innovationsfähigkeit begrenzt.
  • Die Kombination aus schwacher Beschäftigungsentwicklung und Arbeitsmarktstruktur deutet auf einen hohen Anpassungsdruck hin, welcher sich ebenfalls in der derzeitigen Situation des Fachkräftemangels bemerkbar macht.
  • Unternehmen in der Region weisen im Vergleich ein relativ hohes Insolvenzrisiko auf, was auf strukturelle Anfälligkeiten schließen lässt. 

Risiken

  • Die fehlende Anbindung an das Wasserstoff-Kernnetz sowie ein schwacher Ausbau erneuerbarer Energien führen zu strukturellen Nachteilen in der Energiewende, die sich auch in geringen Forschungsaktivitäten widerspiegeln.
  • Die starke Beanspruchung von Flächen schränkt Entwicklungsmöglichkeiten für Industrie, Wohnen und Infrastruktur ein und führt zu einem hohen Flächendruck in der Region. Diesen gilt es in Zukunft zu lösen.
  • Trotz gewisser Resilienzindikatoren bleibt die hohe Importquote ein strukturelles Risiko, das die wirtschaftliche Abhängigkeit von anderen Räumen verdeutlicht.

Transformations-Benchmark

Klicken sie auf die Themengebiete für mehr Informationen

Standortvorteil

neutral

Standortnachteil

Position der Transformations-Region im Vergleich aller Regionen, dargestellt in Rängen

max

Wettbewerb

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Exportquote

56,7

Rang 17 von 38

Importquote

47,7

Rang 31 von 38

Terms of Trade

99,4

Rang 7 von 38

Lohnstückkosten

26,6

Rang 38 von 38

Materialstruktur

85,9

Rang 18 von 38

Demografie

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Erwerbsbevölkerung

63,4

Rang 24 von 38

Bevölkerungsentwicklung, letzte 5 Jahre

3

Rang 8 von 38

Wanderungssaldo

2,1

Rang 24 von 38

Medianentgelt

3.902,4

Rang 14 von 38

Anteil der 0-18 Jährigen

18

Rang 2 von 38

Arbeit

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Beschäftigtenentwicklung, letzte 5 Jahre

1,3

Rang 29 von 38

Erwerbstätige mit Hilfstätigkeiten

22,6

Rang 30 von 38

Anteil von Engspassberufen

28,7

Rang 22 von 38

Arbeitsmarkttransformation

0,2

Rang 12 von 38

Beschäftigtenerwartung, zukünftige 5 Jahre

0

Rang 29 von 38

Unternehmen

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Insolvenzrisiko

0,7

Rang 35 von 38

Durchschnittsgröße der Unternehmen

8,9

Rang 12 von 38

Produktions-Dienstleistungs-Verhältnis

0,9

Rang 3 von 38

Geschäftsgründungen

0,2

Rang 14 von 38

Geschäftsaufgaben

0,1

Rang 24 von 38

Energie

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Einfluss energieintensiver Branchen

19,6

Rang 38 von 38

Energieintensität der Industrie

109.727,2

Rang 5 von 38

EE-Ausbau

0,9

Rang 29 von 38

Wärmewende Wohngebäude

18,1

Rang 8 von 38

Wasserstoffpotenzial

1.074.646

Rang 33 von 38

Fläche

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Flächendruck

1

Rang 30 von 38

Flächenversiegelung

12,9

Rang 12 von 38

Flächeneffizienz

479.955

Rang 20 von 38

Soziale Infrastruktur

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Pflegeheimplätze pro 10.000 Einwohner

104,8

Rang 21 von 38

Allgemeinärzte pro 10.000 Einwohner

3,7

Rang 29 von 38

Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner

5,6

Rang 25 von 38

Betreuungsquote: Anteil der Kinder unter 3 Jahren in Betreuung (Kindertagesbetreuung)

27,5

Rang 36 von 38

Infrastruktur

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Bevölkerungsdichte

229,9

Rang 14 von 38

Glasfaserausbau

50,7

Rang 11 von 38

Erreichbarkeit KV-Terminal

48

Rang 33 von 38

Pendelintensität

0,4

Rang 22 von 38

Verwaltung

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Schulden in Euro pro Einwohner

536,6

Rang 7 von 38

Personal in der Verwaltung pro 10.000 Einwohner

160,6

Rang 14 von 38

Steuerkraft pro Einwohner

1.110,6

Rang 10 von 38

Bildung

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Kohortenveränderung

5.622

Rang 29 von 38

Erreichbarkeit von Schulen

7,2

Rang 17 von 38

Anteil von Personen im Bildungssystem (akademisch & beruflich)

0,2

Rang 25 von 38

Attraktivität

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Tourismusintensität

5,1

Rang 18 von 38

Anteil der Beschäftigten in Kunst, Unterhaltung, Kultur und Gastgewerbe

3,7

Rang 28 von 38

Sportvereinsdichte

123,9

Rang 11 von 38

Branchendynamik

Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen

Energie

39

Rang 18 von 38

Klima

43

Rang 17 von 38

Verfassungspaket

47

Rang 13 von 38

Welthandel

43

Rang 22 von 38

Transformations- und Anwendungsfelder

Transformations- und Anwendungsfelder im regionalen Vergleich

Anwendungsfelder

Bewertungen im Bundesvergleich

Index-Betrachtung verschiedener Indikatoren:
Der Indexwert berechnet sich durch die Ausprägung der Region im jeweiligen Indikator im Vergleich zum Bund (1,0 = Bundesdurchschnitt).

Anwendungsfelder

Bewertungen im Bundesvergleich

Index-Betrachtung verschiedener Indikatoren:
Der Indexwert berechnet sich durch die Ausprägung der Region im jeweiligen Indikator im Vergleich zum Bund (1,0 = Bundesdurchschnitt).

Anwendungsfelder

Bewertungen im Bundesvergleich

Index-Betrachtung verschiedener Indikatoren:
Der Indexwert berechnet sich durch die Ausprägung der Region im jeweiligen Indikator im Vergleich zum Bund (1,0 = Bundesdurchschnitt).

Anwendungsfelder

Bewertungen im Bundesvergleich

Index-Betrachtung verschiedener Indikatoren:
Der Indexwert berechnet sich durch die Ausprägung der Region im jeweiligen Indikator im Vergleich zum Bund (1,0 = Bundesdurchschnitt).

Gesamtwirtschaftliche Szenarien

Wie wirken geopolitische Veränderungen, Investitionsimpulse oder der Klimawandel auf die Wirtschaft?

Szenario Welthandel

Veränderter Welthandel mit „Branchenmuster" (→ Automobile, Metallerzeugung)

Mehr lesen

Szenario Verfassungspaket

Verfassungspaket der Bundesregierung (→ Verteidigung, Intrastruktur)

Mehr lesen

Szenario Klimafolgen u. Anpassung

Klimafolgen u. Anpassung (→ Betroffenheiten und Anpassungsreaktionen)

Mehr lesen

Szenario erneuerbare Energien.

Wirkungen eines verstärkten Ausbaus erneuerbarer Energien. (→ Wind, PV, Speicher und Wärmewende)

Mehr lesen
Mehr Informationen zur Berechnung der Szenarien finden Sie hier

Hinweise zur Methodik

Raumbezug

Die 38 industriellen Transformationsregionen (ITRs) basieren auf einem eigens entwickelten, funktionalen Zuschnitt von Regionen. Grundlage dafür sind die Raumordnungsregionen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), die für diesen Zweck systematisch entlang industrieller Pendlerverflechtungen und regionaler Kooperationsbeziehungen neu gruppiert wurden.

Im Zentrum steht die Frage: Wo finden wirtschaftlich-industrielle Aktivitäten tatsächlich statt – jenseits administrativer Grenzen? Durch die Kombination von Pendlerdaten, Branchenstrukturen und Kooperationsnetzwerken bildet der Zuschnitt die realen wirtschaftlichen Verflechtungen besser ab als klassische Verwaltungsregionen.

Die ITRs spiegeln somit funktionale Wirtschaftsräume wider, in denen sich die Herausforderungen und Chancen der industriellen Transformation in besonders konzentrierter Form zeigen. Ziel ist es, Regionen gezielt zu analysieren und vergleichend zu bewerten, um passgenaue Strategien zur Förderung industrieller Transformation ableiten zu können – sei es in der Regionalentwicklung, der Wirtschaftsförderung oder der Industriepolitik.

Hinweis: Eine vollständige Übersicht über die Zusammensetzung der Industriellen Transformationsregion (inklusive Raumordnungsregionen und Kreise), steht hier als Excel-Datei zum Download bereit.
 

SWOT-Profil

Das SWOT-Profil bündelt die zentralen Erkenntnisse aus der Analyse der industriellen Transformationsregionen (ITR). Es basiert auf den Ergebnissen des Transformations-Benchmarks, der Auswertung der Transformations- und Anwendungsfelder sowie einer ökonometrischen Szenariobetrachtung. Die SWOT fasst Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken pro Region zusammen und bietet eine schnelle Einordnung relevanter Handlungsbedarfe.

Transformations-Benchmark

Der Transformations-Benchmark vergleicht alle 38 ITRs anhand von über 50 relevanten Indikatoren. Die Daten werden vergleichbar aufbereitet, standardisiert und zu einem Rangwert verarbeitet – so lassen sich regionale Ausprägungen im Verhältnis zu anderen Regionen bewerten.

Datengrundlage sind folgende öffentlich zugängliche, regelmäßig aktualisierte Quellen:

Hinweis: Eine vollständige Übersicht aller berücksichtigten Indikatoren, inkl. Definitionen, Bewertungslogik und Skalierung, steht als Excel-Datei hier zum Download bereit.

Transformations- und Anwendungsfelder

Zur Analyse von Forschung, Innovation und wirtschaftlichen Aktivitäten mit Transformationsbezug in den einzelnen Regionen wurden verschiedene nationale, europäische und unternehmensbezogene Datenquellen semantisch ausgewertet. Ein KI-gestütztes Zuordnungsverfahren auf Basis eines Large Language Models (LLM) identifiziert, in welchen Transformations- und Anwendungsfeldern eine Region besonders aktiv ist.

Dabei werden aktuelle Forschungsprojekte, Patente und Unternehmensaktivitäten systematisch miteinander verknüpft, um ein präzises Bild der regionalen Innovationslandschaft zu zeichnen. So wird sichtbar, wo technologische Schwerpunkte entstehen, welche Themen die Transformation prägen – und wo sich künftig wirtschaftliche Chancen bündeln.

Dieser datenbasierte Ansatz schafft eine vergleichbare Grundlage zur Bewertung regionaler Transformationspotenziale – und unterstützt gezielte Entscheidungen in Innovationspolitik, Standortentwicklung und Wirtschaftsförderung.

Datenquellen:

Bei Förderprojekten und Patenten ist der Betrachtungszeitraum die vergangenen fünf Jahre (01/2019 – 12/2024) und bei den Unternehmensdaten der Zeitpunkt 12/2024. Die Aktivitäten werden je Feld als Indexwert dargestellt. So zeigt sich, in welchen Themenbereichen die Region überdurchschnittlich vertreten ist – im Vergleich zu anderen ITRs.