Thüringen
Bevölkerung von 2,127 Mio. Personen
rund 198.000 Personen arbeiten in der Industrie (21,9 % der Beschäftigten)
Die ITR Thüringen befindet sich in einem intensiven Strukturwandel, der durch einen hohen Anpassungsdruck am Arbeitsmarkt, eine stagnierende demografische Entwicklung und ein unterdurchschnittliches Einkommensniveau geprägt ist. Gleichzeitig weist die Region deutliche Potenziale auf – insbesondere in den Transformationsfeldern Smart Production und Sustainable Building sowie durch eine überdurchschnittliche Szenarienrobustheit in nahezu allen modellierten Zukunftspfaden. Thüringen verfügt über eine solide industrielle Basis, gute Bildungsbeteiligung und stabile soziale Infrastruktur. Herausforderungen bestehen vor allem im Bereich Digitalisierung, Gründungsdynamik und Steuerkraft, was auf strukturelle Schwächen in Innovations- und Finanzierungskapazitäten hindeutet. Um die Transformation erfolgreich zu gestalten, sollten Politik, Wirtschaftsförderung und Unternehmen gezielt auf die Stärkung der digitalen Infrastruktur, den Ausbau zukunftsorientierter Branchen und die Förderung regionaler Innovationsnetzwerke setzen. Damit kann Thüringen seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern und als resilienter Industriestandort in der Mitte Deutschlands bestehen.
Rahmenbedingungen
In der Gesamtschau über alle Indikatoren zählt die ITR Thüringen zu den Regionen, die angesichts der Herausforderungen mit der Transformation durchschnittlich gefordert sind:
Ein zentraler Indikator für die Transformation ist der Anpassungsdruck auf die lokalen Arbeitsmärkte: Wie viele Arbeitsplätze gehen branchenspezifisch verloren und wie viele entstehen neu? Dabei zeigt sich, dass Beschäftigte, die ihren Arbeitsplatz in einer bestimmten Branche verlieren, diesen in der Regel nicht ohne Weiteres in einer anderen Branche ersetzen können – etwa aufgrund notwendiger Weiterbildungen oder Umschulungen. Um diesen Anpassungsdruck messbar zu machen, werden alle „bewegten“ Arbeitsplätze – also die Summe aller Verluste und aller Zugewinne – ins Verhältnis zur Gesamtzahl der Arbeitsplätze gesetzt.
→ Das Ergebnis zeigt: Es ist ein überdurchschnittlich hoher Anpassungsdruck für die ITR Thüringen festzustellen.Die Fläche einer ITR ist begrenzt. In der zukünftigen Flächennachfrage von Unternehmen, Haushalten und öffentlichen Einrichtungen zeigt sich, wie stark die vorhandene Fläche durch sozioökonomische Aktivitäten beansprucht wird.
→ In der ITR ist der Flächendruck gering.Der Blick in die Zukunft ist komplex: Wie verhält sich die ITR in verschiedenen zukünftigen Entwicklungspfaden? Welche Auswirkungen haben etwa ein veränderter Außenhandel, das Sondervermögen für Infrastruktur, Klimaanpassungsmaßnahmen oder der beschleunigte Ausbau erneuerbarer Energien? In einem ökonometrischen Modell werden gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge modelliert und die Implikationen verschiedener Entwicklungspfade empirisch messbar. Für die Bewertung der Szenarien ist die Beschäftigungswirkung ausschlaggebend.
→ In der ITR variiert die Gesamtbeschäftigung zwischen den gerechneten Szenarien im Jahr 2035 um 3,2 %. Dieser Wert liegt über dem bundesweiten Durchschnitt (2,6 %) und zeigt damit, dass die ITR Thüringen weniger robust gegenüber anstehenden Veränderungen ist.
SWOT-Profil
SWOT-Profil
Stärken
- Hohe Bildungsbeteiligung mit überdurchschnittlichem Anteil von Personen im akademischen und beruflichen Bildungssystem stärkt die Qualifikationsbasis.
- Überdurchschnittliches Potenzial für grünen Wasserstoff und gute Ausgangsbedingungen für die Energiewende.
- Geringer Flächendruck und vergleichsweise geringe Flächenversiegelung schaffen günstige Rahmenbedingungen für nachhaltige Standortentwicklung.
- Stabile soziale Infrastruktur mit guter Versorgung durch Krankenhausbetten und Pflegeeinrichtungen.
- Geringe kommunale Verschuldung und ein niedriger Anteil von Beschäftigten in insolvenzgefährdeten Unternehmen weisen auf eine insgesamt stabile wirtschaftliche Struktur hin.
Chancen
- Sehr gute Aussichten in allen modellierten Zukunftsszenarien: Thüringen zählt hier bundesweit zu den bestplatzierten Regionen.
- Überdurchschnittliche FuE-Aktivitäten in den Transformationsfeldern Smart Production und Sustainable Building eröffnen Chancen für technologische Spezialisierung und Clusterbildung.
- Positive Perspektiven für den Ausbau grüner Energien und die Entwicklung einer regionalen Wasserstoffwirtschaft.
- Solide soziale und gesundheitliche Infrastruktur bildet ein stabiles Fundament für Fachkräftebindung und Lebensqualität.
Schwächen
- Deutliche Rückstände beim Glasfaserausbau: Die unzureichende digitale Infrastruktur bremst die Transformation.
- Niedrige Gründungsaktivität und schwache Steuerkraft deuten auf begrenzte Innovationsdynamik hin und schränken öffentliche Investitionsmöglichkeiten ein.
- Ungünstige Arbeitsmarktentwicklung mit stagnierender Beschäftigung, niedrigem Entgeltniveau und Fachkräfteengpässen.
- Rückläufige Bevölkerungsentwicklung und unterdurchschnittlicher Anteil junger Menschen verschärfen die demografischen Herausforderungen.
- Die hohe Energieintensität der Industrie erschwert die Umstellung auf klimaneutrale Produktionsweisen.
Risiken
- Schwache Gründungsdynamik und geringe Patentaktivität in zentralen Transformationsfeldern können die Innovationsfähigkeit langfristig beeinträchtigen.
- Strukturell niedrige Einkommen und geringe Steuerkraft schränken die regionalen Investitionsspielräume ein.
- Der hohe Anpassungsdruck auf dem Arbeitsmarkt kann ohne gezielte Qualifizierungsmaßnahmen zu Beschäftigungsverlusten führen.
- Ungünstige demografische Entwicklung mindert die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte.
Transformations-Benchmark
Transformations-Benchmark
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Standortvorteil
neutral
Standortnachteil
Position der Transformations-Region im Vergleich aller Regionen, dargestellt in Rängen
Wettbewerb
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Exportquote
54,6
Rang 25 von 38
Importquote
46,7
Rang 25 von 38
Terms of Trade
99,3
Rang 12 von 38
Lohnstückkosten
25,6
Rang 24 von 38
Materialstruktur
86,3
Rang 22 von 38
Demografie
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Erwerbsbevölkerung
59,9
Rang 36 von 38
Bevölkerungsentwicklung, letzte 5 Jahre
-1,1
Rang 36 von 38
Wanderungssaldo
1,9
Rang 31 von 38
Medianentgelt
3.083,6
Rang 36 von 38
Anteil der 0-18 Jährigen
15,6
Rang 35 von 38
Arbeit
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Beschäftigtenentwicklung, letzte 5 Jahre
1,2
Rang 30 von 38
Erwerbstätige mit Hilfstätigkeiten
19
Rang 10 von 38
Anteil von Engspassberufen
31,4
Rang 36 von 38
Arbeitsmarkttransformation
0,2
Rang 36 von 38
Beschäftigtenerwartung, zukünftige 5 Jahre
-1,4
Rang 34 von 38
Unternehmen
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Insolvenzrisiko
0,2
Rang 10 von 38
Durchschnittsgröße der Unternehmen
9,5
Rang 20 von 38
Produktions-Dienstleistungs-Verhältnis
0,5
Rang 15 von 38
Geschäftsgründungen
0,1
Rang 37 von 38
Geschäftsaufgaben
0,1
Rang 5 von 38
Energie
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Einfluss energieintensiver Branchen
11,7
Rang 29 von 38
Energieintensität der Industrie
438.113,1
Rang 28 von 38
EE-Ausbau
1,9
Rang 14 von 38
Wärmewende Wohngebäude
11,7
Rang 16 von 38
Wasserstoffpotenzial
7.412.339
Rang 4 von 38
Fläche
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Flächendruck
0,2
Rang 4 von 38
Flächenversiegelung
12
Rang 5 von 38
Flächeneffizienz
245.899,1
Rang 35 von 38
Soziale Infrastruktur
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Pflegeheimplätze pro 10.000 Einwohner
124,3
Rang 9 von 38
Allgemeinärzte pro 10.000 Einwohner
4,2
Rang 11 von 38
Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner
7
Rang 9 von 38
Betreuungsquote: Anteil der Kinder unter 3 Jahren in Betreuung (Kindertagesbetreuung)
60,9
Rang 6 von 38
Infrastruktur
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Bevölkerungsdichte
131,3
Rang 33 von 38
Glasfaserausbau
3,6
Rang 38 von 38
Erreichbarkeit KV-Terminal
46,7
Rang 30 von 38
Pendelintensität
0,4
Rang 20 von 38
Verwaltung
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Schulden in Euro pro Einwohner
702,4
Rang 10 von 38
Personal in der Verwaltung pro 10.000 Einwohner
142,5
Rang 26 von 38
Steuerkraft pro Einwohner
626,5
Rang 37 von 38
Bildung
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Kohortenveränderung
7.595
Rang 19 von 38
Erreichbarkeit von Schulen
7,3
Rang 20 von 38
Anteil von Personen im Bildungssystem (akademisch & beruflich)
0,2
Rang 3 von 38
Attraktivität
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Tourismusintensität
4,7
Rang 23 von 38
Anteil der Beschäftigten in Kunst, Unterhaltung, Kultur und Gastgewerbe
3,6
Rang 30 von 38
Sportvereinsdichte
153,7
Rang 3 von 38
Branchendynamik
Indikatoren im Vergleich zu anderen Transformationsregionen
Energie
62
Rang 5 von 38
Klima
61
Rang 2 von 38
Verfassungspaket
69
Rang 2 von 38
Welthandel
7
Rang 3 von 38
Transformations- und Anwendungsfelder
Transformations- und Anwendungsfelder
Transformations- und Anwendungsfelder im regionalen Vergleich
Anwendungsfelder
Bewertungen im Bundesvergleich
Index-Betrachtung verschiedener Indikatoren:
Der Indexwert berechnet sich durch die Ausprägung der Region im jeweiligen Indikator im Vergleich zum Bund (1,0 = Bundesdurchschnitt).
Anwendungsfelder
Bewertungen im Bundesvergleich
Index-Betrachtung verschiedener Indikatoren:
Der Indexwert berechnet sich durch die Ausprägung der Region im jeweiligen Indikator im Vergleich zum Bund (1,0 = Bundesdurchschnitt).
Anwendungsfelder
Bewertungen im Bundesvergleich
Index-Betrachtung verschiedener Indikatoren:
Der Indexwert berechnet sich durch die Ausprägung der Region im jeweiligen Indikator im Vergleich zum Bund (1,0 = Bundesdurchschnitt).
Anwendungsfelder
Bewertungen im Bundesvergleich
Index-Betrachtung verschiedener Indikatoren:
Der Indexwert berechnet sich durch die Ausprägung der Region im jeweiligen Indikator im Vergleich zum Bund (1,0 = Bundesdurchschnitt).
Gesamtwirtschaftliche Szenarien
Wie wirken geopolitische Veränderungen, Investitionsimpulse oder der Klimawandel auf die Wirtschaft?
Gesamtwirtschaftliche Szenarien
Wie wirken geopolitische Veränderungen, Investitionsimpulse oder der Klimawandel auf die Wirtschaft?
Szenario Welthandel
Veränderter Welthandel mit „Branchenmuster" (→ Automobile, Metallerzeugung)
Szenario Verfassungspaket
Verfassungspaket der Bundesregierung (→ Verteidigung, Intrastruktur)
Szenario Klimafolgen u. Anpassung
Klimafolgen u. Anpassung (→ Betroffenheiten und Anpassungsreaktionen)
Szenario erneuerbare Energien.
Wirkungen eines verstärkten Ausbaus erneuerbarer Energien. (→ Wind, PV, Speicher und Wärmewende)
Datenbasis und Methodik
Der Atlas der industriellen Transformation basiert auf über 50 öffentlich zugänglichen Indikatoren und vergleicht 38 Regionen im Rahmen eines standardisierten Benchmarkings. Ergänzend werden Forschungsprojekte, Patente und Unternehmensdaten KI-gestützt analysiert, um regionale Transformationsaktivitäten zu identifizieren. Die zugrunde liegenden Daten stammen u. a. von der Bundesagentur für Arbeit, den Statistischen Ämtern, dem Förderkatalog (FÖKAT), dem EU-Portal CORDIS sowie der Patentdatenbank DEPATISnet.