Was beinhaltet das Szenario?
Der Ausbau der erneuerbaren Energien schreitet weiter voran. Bis 2024 ist allerdings schon viel geschehen, sodass das Szenario „nur“ die noch hinzu kommenden Zubauten beschreibt.
Es ist ein Szenario mit vier Komponenten: Der noch kommende zusätzliche Ausbau von Wind und Sonne gehören dazu. Allerdings werden die geplanten Ausbauziele nach heutigem Kenntnisstand nicht erreicht. Es wird unterstellt, dass die zusätzliche Stromerzeugung auch von den Unternehmen nachgefragt wird – eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende. Der Einbau von Wärmepumpen in Wohnungen schreitet voran und außerdem werden die Stromspeicher (Haushalte, Unternehmen und Netz) weiter ausgebaut. Das führt bei den privaten Haushalten dazu, dass weniger Strom aus dem Netz bezogen wird.
Die genannten Folgen und Maßnahmenbündel werden der Basis gegenübergestellt.
Zu bedenken: Die Wirkungen beziehen sich auf das, was noch zusätzlich an Investitionen kommt. Die „normalen“ Investitionshöhen in z.B. Windräder sind bereits in der Basis verbucht. Insofern zeigt das Szenario nicht die Gesamtwirkung der Energiewende, sondern die noch bis 2030 hinzukommenden Wirkungen.
Welche Teile der Ökonomie verändern sich wie?
- Die Wertschöpfung steigt durch den zusätzlichen Ausbau/Umstieg weiter.
- Die Veränderung der Zahl der Arbeitsplätze ist wegen der hohen Arbeitsproduktivität im produzierenden Gewerbe vergleichsweise klein, allerdings stehen 0,13 % immer noch für rund 57 000 zusätzliche Arbeitsplätze.
- Die CO2-Emissionen schrumpfen deutlich.
- Die Konsummöglichkeiten steigen nur wenig.
- Die Schulden des Staates sinken wegen des Wertschöpfungszuwachses.
- Die Materialimporte sind geringer, da der Bezug von fossilen Rohstoffen im Szenario kleiner ist und fossilen Rohstoffe immer noch einen großen Teil der importierten Materialien ausmachen.
- Der Energieverbrauch geht zurück. Das ist vor allem auf die geringere Inanspruchnahme des Stroms aus dem Netz wegen der Speicher zurückzuführen.
Achtung! Insgesamt ist die Zahl der Personen, die bereits heute im Bereich erneuerbare Energien arbeiten laut Studien mit 300 000 Arbeitsplätze groß. Zu diesen kommen aber nun weitere hinzu.
Wie verändert sich die ökonomische Aktivität im Zeitverlauf?
Dargestellt ist die ökonomische Aktivität: Dabei wird ein Indikator gebildet, der sowohl auf die Lage der Unternehmen (mittelfristige Dynamik des Bruttoinlandsprodukts) als auch der Arbeitnehmer:innen (relative Veränderung der Zahl der Arbeitsplätze) gleichberechtigt eingeht.
Die ökonomische Aktivität ist im Szenario stets höher als in der Basis. Die Wirkungen schwächen sich über die Jahre ab, da die jährlichen Zuwächse ähnlich sind, die Kosten für Abschreibungen und Löhne aber leicht steigen. Daher wird die Wachstumsdynamik im ersten Jahr deutlich angehoben. Die Zahl der Arbeitsplätze, die für die zusätzlichen, aber über die Jahre gleichbleibenden Investitionsnachfragesteigerung benötigt werden, kommen anfangs hinzu und werden dann beibehalten.
Wie verändern sich Konsum, Investitionen und Außenhandel?
Welche Komponente der Nachfrage (Konsum, Investitionen, Außenhandel) prägt die Ergebnisse des Szenarios im Vergleich zur Basis? Die Drift – also die zusätzlichen Veränderungen ausgelöst durch das Szenario – ist bei den Ausrüstungsinvestitionen am größten. Hinzu kommen positive Impulse von den Investitionen in Bauten und geistiges Eigentum. Von der besseren Wirtschaftslage profitieren die privaten Haushalte.
Die Importe sind im Szenario aufgrund der bezogenen Ausrüstungsgüter (anstatt Rohstoffen) stärker. Die Exporte wachsen etwas weniger, da mit einer höheren Auslastung des Arbeitsmarktes im Inland auch höhere Löhne und damit stärkere Preisentwicklungen einhergehen. Für die Industrie und das produzierende Gewerbe kommt es zu einer Stärkung der heimischen Auftragslage.
Wie verändert sich die Leistungserstellung nach Branchen?
Welche Branchengruppen sind bei der Erstellung der nachgefragten Güter und Leistungen besonders gefordert? Die Drift zeigt, dass vor allem das produzierende Gewerbe im Szenario mehr Arbeitskräfte beschäftigt als in der Basis. In Folge profitieren unternehmensnahe Dienstleistungen und etwas auch die Gruppe „Handel, Verkehr und Gastronomie“. Die Landwirtschaft sowie die öffentlichen und privaten Dienstleistungen haben keine oder nur geringe Veränderungen.
Wie verändert sich die Verteilung der Bruttolohneinkommen?
Die Verteilung der Bruttolohneinkommen nach Dezilen gibt Aufschluss über mögliche soziale Folgen des Szenarios.
Die Veränderungen sind gering. Die Wirkungen sind in der Tendenz für untere Dezile höher.
Übergeordnete Handlungsempfehlungen
Die Unternehmen des produzierenden Gewerbes profitieren von einem weiter vorangetriebenen Ausbau der erneuerbaren Energien. Bei unveränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen ist ein gleichmäßig bleibender Marktzuwachs festzustellen. Allerdings ist das produzierende Gewerbe auch gefordert „mitzumachen“ und beim Ersatz von Maschinen oder Neuanschaffungen auch auf Strom als Energiequelle zu setzen.
Aus Sicht der Arbeitnehmer:innen bleiben die beruflichen Perspektiven für jene Personen stabil oder werden sogar besser, die in Unternehmen arbeiten, die an der Energiewende mitwirken. Auch für Arbeitssuchende gibt es in diesen Unternehmen in Zukunft gute Beschäftigungschancen. Vorausgesetzt, die gesetzliche Rahmenbedingen bleiben stabil.
Weitere Szenarien
Veränderter Welthandel mit „Branchenmuster"
(→ Automobile, Metallerzeugung)
Verfassungspaket der Bundesregierung
(→ Verteidigung, Intrastruktur)
Klimafolgen u. Anpassung
(→ Betroffenheiten und Anpassungsreaktionen)
Datenbasis und Methodik
Der Atlas der industriellen Transformation basiert auf über 50 öffentlich zugänglichen Indikatoren und vergleicht 38 Regionen im Rahmen eines standardisierten Benchmarkings. Ergänzend werden Forschungsprojekte, Patente und Unternehmensdaten KI-gestützt analysiert, um regionale Transformationsaktivitäten zu identifizieren. Die zugrunde liegenden Daten stammen u. a. von der Bundesagentur für Arbeit, den Statistischen Ämtern, dem Förderkatalog (FÖKAT), dem EU-Portal CORDIS sowie der Patentdatenbank DEPATISnet.