Was beinhaltet das Szenario?
Der Klimawandel schreitet voran. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes sind die Temperaturen seit 1990 durchweg gestiegen. Extremereignisse nehmen zu, Bodenfeuchte geht zurück. Um diesen Folgen zu begegnen sind Anpassungsmaßnahmen unvermeidlich.
Es ist ein komplexes Szenario: Der Klimawandel schädigt die Wertschöpfung in der Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei. Die Schifffahrt kämpft mit Niedrigwasser, Unternehmen und Haushalte versichern sich gegen Schäden oder tragen die Schäden selbst. Auf Basis der Daten des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) werden die zukünftigen zusätzlichen Schäden abgeschätzt. Sie betragen bis 2050 zusätzlich zu den bereits „eingebuchten“ Schäden ca. 400 Mrd. Euro. Da zukünftige Zeitpunkte von Unwetterereignisse nicht bekannt sind, sie aber auftreten werden, sind die Kosten in einen kontinuierlichen Aufschlag überführt worden. Hinzu kommen Ausfälle für Arbeitszeiten, die 2050 bis zu 1 % der Jahresarbeitszeit betragen.
Klimafolgenanpassung erfolgt in der Land- und Forstwirtschaft und Fischerei sowie durch Informationskampagnen, Baumaßnahmen, Planung, Stadtbegrünung, Beschattung und Katastrophenvorsorge. Der ökonomische Impuls dieser Anpassungsmaßnahmen ist kleiner als der Verlust an Wertschöpfung durch den Klimawandel.
Die genannten Folgen und Maßnahmenbündel werden der Basis gegenübergestellt.
Zu bedenken: Die Klimafolgen werden langfristig kontinuierlich größer, die Klimaanpassung beginnt aber früher (also vorsorgend und nicht nachsorgend).
Welche Teile der Ökonomie verändern sich wie?
- Die Wertschöpfung ist nur leicht höher.
- Die Veränderung der Zahl der Arbeitsplätze ist vergleichsweise groß. Grund dafür sind u. a. die höheren Bedarfe an Arbeitskräften in der Land- und Forstwirtschaft zur Beseitigung der Klimafolgen.
- Die CO2-Emissionen sind leicht höher. Viele Baumaßnahmen im Zuge der Anpassung führen zum Bezug von mehr Metall, Kunststoff und Keramik, also Gütern, deren Produktion energieintensiv ist.
- Die Konsummöglichkeiten sind (unwesentlich) geringer: Die Klimafolgen sorgen für höhere Kosten und die Preise steigen.
- Die Schulden des Staates nehmen u. a. aufgrund von Katastrophenvorsorge zu.
- Das gilt auch für die Materialimporte. Klimafolgenanpassung geht mit mehr Bauinvestitionen und damit Materialbezug einher.
- Der Energieverbrauch steigt im Zuge der stärkeren ökonomischen Entwicklung nur wenig.
Achtung! Die Anpassungsmaßnahmen sind den Klimafolgen im Sinne der Vorsorge vorgelagert. Sind die Maßnahmen durchgeführt, geht der Klimawandel allerdings nach 2030 weiter. Dann „kippt“ das Ergebnis und die Wachstumseffekte werden negativ!
Wie verändert sich die ökonomische Aktivität im Zeitverlauf?
Dargestellt ist die ökonomische Aktivität: Dabei wird ein Indikator gebildet, der sowohl auf die Lage der Unternehmen (mittelfristige Dynamik des Bruttoinlandsprodukts) als auch der Arbeitnehmer:innen (relative Veränderung der Zahl der Arbeitsplätze) gleichberechtigt eingeht.
Über die Zeit nimmt die ökonomische Aktivität zu und erreicht dann 2030 ihren Höhepunkt. Die Dynamik nimmt allerdings kontinuierlich ab. Während die Anpassungsmaßnahmen „stabil“ bleiben, steigen die Schäden durch den Klimawandel weiter. Die Vorsorge z. B. in Form von steigenden Versicherungsprämien entzieht dem Wirtschaftskreislauf zunehmend (auch nach 2030) Mittel.
Im Szenario wird eine kontinuierliche Verschlechterung durch den Klimawandel unterstellt. Tatsächlich ist aber wahrscheinlich, dass es zu schlagartigen Ereignissen kommt.
Wie verändern sich Konsum, Investitionen und Außenhandel?
Welche Komponente der Nachfrage (Konsum, Investitionen, Außenhandel) prägt die Ergebnisse des Szenarios im Vergleich zur Basis? Die Drift – also die zusätzlichen Veränderungen ausgelöst durch das Szenario – ist bei den Bauinvestitionen am größten. Trotz der positiven Impulse beim Bau und den anderen Investitionen entsteht kaum ein Wachstumsimpuls. Das liegt an den steigenden Preisen im Szenario: Der Klimawandel wird nicht nur bei uns, sondern auch in anderen Ländern Ernteminderung hervorbringen. Knappheiten führen zu Preissteigerungen.
Außerdem wird die Produktion insgesamt teurer: Man arbeitet quasi doppelt – für die Produktion und für die Vermeidung bzw. den Wiederaufbau. Letzteres bringt aber keine Verbesserung.
Wie verändert sich die Leistungserstellung nach Branchen?
Welche Branchengruppen sind bei der Erstellung der nachgefragten Güter und Leistungen besonders gefordert? Die Drift zeigt, dass vor allem das produzierende Gewerbe im Szenario mehr Arbeitskräfte beschäftigt als in der Basis. In Folge profitieren Handel und Verkehr ein wenig. Die Dienstleistungsbereiche profitieren etwas vom höheren Planungsaufwand. Die Landwirtschaft braucht mehr Arbeitskräfte zur Bewältigung ihrer hinzukommenden Aufgaben, um den Klimawandel händelbar zu machen.
Wie verändert sich die Verteilung der Bruttolohneinkommen?
Die Verteilung der Bruttolohneinkommen nach Dezilen gibt Aufschluss über mögliche soziale Folgen des Szenarios.
Die Veränderungen sind an sich gering. Im ersten und vierten Dezil fallen sie am stärksten aus. Bei solch kleinen Änderungen reichen leichte Verschiebungen von Dezilgrenzen für relativ große Ausschläge (z. B. Dezil 1).
In der Tendenz haben untere Dezile relativ größere Wirkungen als höhere Dezile.
Übergeordnete Handlungsempfehlungen
Die Unternehmen des produzierenden Gewerbes sind direkt betroffen, wenn Transportwege nicht mehr funktionieren (z. B. Niedrigwasser) oder die bauliche Substanz durch Katastrophenereignisse bedroht ist. Vorausschauende Planung (Notfallpläne) hilft – Maßnahmen zur Katastrophenabwehr ebenso. Es gibt aber auch indirekte Betroffenheit: Wie kühl sind die Arbeitsplätze (Beschattung)? Wie teuer werden die benötigen Materialien (Nahrungsmittelindustrie)? Die Arbeitsbedingungen rechtzeitig zu verbessern und Zulieferungen zu diversifizieren, ist sinnvoll.
Die Bauindustrie und ihre Zulieferer können von den Anpassungsmaßnahmen durch vermehrte Auftragslage profitieren.
Aus Sicht der Arbeitnehmer:innen ist es vor allem die Frage nach den Arbeitsbedingungen.
Die zusätzlichen Wirkungen bis 2030 sind nur klein. Allerdings wachsen die Schäden kontinuierlich und lassen die Vorsorge immer dringender werden.
Weitere Szenarien
Veränderter Welthandel mit „Branchenmuster"
(→ Automobile, Metallerzeugung)
Verfassungspaket der Bundesregierung
(→ Verteidigung, Intrastruktur)
Wirkungen eines verstärkten Ausbaus erneuerbarer Energien.
(→ Wind, PV, Speicher und Wärmewende)
Datenbasis und Methodik
Der Atlas der industriellen Transformation basiert auf über 50 öffentlich zugänglichen Indikatoren und vergleicht 38 Regionen im Rahmen eines standardisierten Benchmarkings. Ergänzend werden Forschungsprojekte, Patente und Unternehmensdaten KI-gestützt analysiert, um regionale Transformationsaktivitäten zu identifizieren. Die zugrunde liegenden Daten stammen u. a. von der Bundesagentur für Arbeit, den Statistischen Ämtern, dem Förderkatalog (FÖKAT), dem EU-Portal CORDIS sowie der Patentdatenbank DEPATISnet.