Was beinhaltet das Szenario?
Das Szenario bildet eine Summe von vielen kleinen Veränderungen.
Mehr Vorratshaltung führt zu mehr Lagernotwendigkeit. Diversifizierung der Herkunftsquellen von Rohstoffen und Halbfertigprodukten. Bei der digitalen Souveränität kommt man weiter. Der Katastrophenschutz (u. a. THW) wird besser ausgestattet. Die privaten Haushalte verbessern ihre Lagerbestände an Lebensmitteln. Die Energieeffizienz wird vorangetrieben – es gelingt, den Anteil erneuerbarer Energien zu erhöhen. Die Materialforschung trägt zu einer besseren Nutzung von biogenen, heimischen Rohstoffquellen bei. Die Wasserversorgung wird auf Knappheiten ausgerichtet.
Die Wirkungen auf die Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes können direkt sein (z.B. Lagerhaltung, Konsumnachfrage, Investitionen, …), es gibt aber auch indirekte Wirkungen z.B. über die Materialforschung. Zu bedenken ist auch, dass das Szenario etwas kostet: Die Lagerhaltung wird bepreist werden (z.B. höhere Kosten für die Einlagerung), die Diversifizierung wird mit höheren Preisen bezahlt. Schließlich gibt der Staat für Forschung mehr aus.
Welche Teile der Ökonomie verändern sich wie?
Mehr Resilienz (hier vor allem im zivilen Bereich) führt durch die höheren Investitionen (u.a. Lager, Wasser, …) zu einer stärkeren Entwicklung der Wertschöpfung. Gleichzeitig steigt die Zahl der Arbeitsplätze in geringem Ausmaß. Die Emissionen sinken trotz höherer Wertschöpfung leicht, da die Unternehmen des industriellen Kerns ihre Anstrengungen zur Erhöhung der Energieeffizienz ausweiten. Gleichzeitig verbessert sich die Versorgung mit erneuerbaren Energien. Mit der größeren Zahl an Arbeitsplätzen und der besseren Wertschöpfung steigen die Konsummöglichkeiten privater Haushalte. Der Lageraufbau zieht einen größeren Import nach sich: Deutschland bleibt ein rohstoffarmes Land. Insgesamt nimmt die ökonomische Aktivität zu und der Energieverbrauch damit auch. Zu bedenken ist: Die größere zivile Resilienz kostet etwas, die Preise steigen stärker.
Wie verändert sich die ökonomische Aktivität im Zeitverlauf?
Dargestellt ist die ökonomische Aktivität: Dabei wird ein Indikator gebildet, der sowohl auf die Lage der Unternehmen (mittelfristige Dynamik des Bruttoinlandsprodukts) als auch der Arbeitnehmer:innen (relative Veränderung der Zahl der Arbeitsplätze) gleichberechtigt eingeht.
Die ökonomische Aktivität steigt sprunghaft an, da u. a. mit dem Lageraufbau sofort begonnen wird.
Allerdings gibt es dies nicht ohne einen Preis: Mit zunehmendem Zeitablauf nehmen die Abschreibungen für die Vorratsinvestitionen und übrigen Investitionen zu. Die höheren Abschreibungen in der Gewinn- und Verlustrechnung werden bei der Preisfindung „eingepreist“. Die Preise steigen zunehmend und die anfänglich positiven Impulse vermindern sich über die Zeit.
Wie verändern sich Konsum, Investitionen und Außenhandel?
Welche Komponente der Nachfrage (Konsum, Investitionen, Außenhandel) prägt die Ergebnisse des Szenarios im Vergleich zur Basis? Die Drift – also die zusätzlichen Veränderungen ausgelöst durch das Szenario – ist bei der Lagerhaltung und dem Konsum der privaten Haushalte am größten: Es sind jeweils höhere Ausgaben notwendig, um eine größere Lagerhaltung zu erreichen. Deutlich sichtbar sind auch die höheren Investitionen in Ausrüstungen. Auch die vermehrten Ausgaben des Staates für Grundlagenforschung, die im System of national Accounts (International gültiges Buchungssystem für Statistische Ämter) als Konsum des Staates gebucht werden, steigen. Die höheren Preise mindern die Wettbewerbsfähigkeit, ferner werden mehr Güter im Inland gebraucht. Folglich sinkt der Export. Die höhere Effizienz und neue Materialien senken den Import. In Summe bekommt das Bruttoinlandsprodukt einen positiven Impuls.
Wie verändert sich die Leistungserstellung nach Branchen?
Welche Branchengruppen sind bei der Erstellung der nachgefragten Güter und Leistungen besonders gefordert? Die Drift zeigt, dass vor allem der Handel und das produzierende Gewerbe im Szenario am stärksten Arbeitskräfte aufbaut. Dem Handel ist auch die Lagerei zugeordnet, das produzierende Gewerbe ist gefordert die Produkte für das Lager herzustellen und Investitionsgüter bereitzustellen. Die öffentlichen Dienstleistungen nehmen auch wegen der vermehrten Forschungsleistungen zu. Die Landwirtschaft ist gefordert mehr Güter an den Industriellen Kern zu liefern. Die Zahl der Arbeitsplätze steigt, bei knappen Arbeitsmärkten eine Herausforderung für die Unternehmen.
Wie verändert sich die Verteilung der Bruttolohneinkommen?
Die Verteilung der Bruttolohneinkommen nach Dezilen gibt Aufschluss über mögliche soziale Folgen des Szenarios. Das Szenario ist sozialpolitisch „unauffällig“. Geringere Lohndezile können relativ etwas stärker zulegen als höhere Dezile.
Die Lohnsteigerungen gehen zum einen auf die höhere Nachfrage nach Arbeitskräften zurück, welche aber u.a. in der Lagerei tätig sind, also in niedrigeren Lohngruppen. Zum anderen wirken die Preissteigerungen, die zur Finanzierung der Maßnahmen entstehen, auf die Löhne.
Wie verändern sich die Umsätze in den Branchen?
Die detailliertere Branchenabbildung für das verarbeitende Gewerbe zeigt die relative (in Prozent) und absolute Veränderung (in Mrd. Euro) der Produktion (ähnlich zu Umsatz) der jeweiligen Branchen im Jahr 2031.
Die Umsatzsteigerungen gehen sowohl auf direkte und indirekte Nachfragesteigerungen (Mengenkomponente) als auch auf die gestiegenen Preise (Preiskomponente) zurück. Besonders vorteilhaft ist dies für Branchen, deren Produkte „auf Lager gehen“. Hierzu zählen Nahrungsmittel, chemische Produkte, Medikamente, Mineralölerzeugnisse etc. Zudem wird mehr investiert. Der Maschinenbau und damit verbunden die Metallerzeugnisse verbuchen bessere Umsätze. Viele Branchen profitieren nur wenig (z.B. Textilien, Holz, Papier) – hier kommt es nur zu induzierten Effekten, die u.a. über die höheren Einkommen privater Haushalte entstehen.
Übergeordnete Handlungsempfehlungen
Die Unternehmen sind sehr unterschiedlich an der Verbesserung der Resilienz beteiligt. Gute Aussichten auf eine positive Wirkung haben solche, die direkt mit der Resilienzverbesserung in Beziehung stehen. Maßnahmen, die getroffen werden müssen (eigene Resilienz, Resilienz insgesamt) sind zudem mit höheren Kosten verbunden, die das Preisniveau erhöhen. Und so haben es Unternehmen schwerer, die nicht direkt profitieren. Das Ergebnis zeigt ein Vorsorge-Paradox: Kommt es nicht zu der gefürchteten Katastrophe, die auch nicht im Szenario angenommen wurde, gibt es auch potenziell Verlierer. Kommt es zur Katastrophe, dann sind allerdings alle besser geschützt. Daher ist eine Unterstützung für Vorsorgemaßnahmen immer schwer zu organisieren.
Aus Sicht der Arbeitnehmer:innen verbessert sich die Lage etwas: Höhere Löhne führen zu besseren Konsummöglichkeiten. Allerdings sorgt die Branchendrift ausgelöst durch Preissteigerungen für eine Verlagerung von Arbeitsplätzen in den Bereich „Verarbeitendes Gewerbe“ und „Verkehr“ (also Lagerhaltung) und damit weg von Dienstleistungsjobs. Ein solcher Übergang ist aber für die Arbeitnehmer:innen, die von Arbeitsplatzverlusten betroffen sind, durchaus eine Chance, da zumindest im verarbeitenden Gewerbe überdurchschnittlich gut gezahlt wird.
Weitere Szenarien