Szenario Verfassungspaket

Was beinhaltet das Szenario?

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Die Änderung der Verfassung am 22. März 2025 hat die finanziellen Spielräume der Bundesregierung massiv erweitert: Im Ergebnis können für die Verteidigung unbegrenzt Mittel ausgegeben werden. Hierzu gehören ein Infrastrukturprogramm mit 500 Mrd. Euro in zwölf Jahren und eine Lockerung der Schuldenbremse für Bundesländer. 

Im Szenario wird davon ausgegangen (anders als in der Basis), dass in der Spitze (Jahr 2030) 130 Mrd. Euro zusätzlich ausgegeben werden. Davon sind 75 Mrd. Euro für militärische Zwecke (in Summe dann 3,5 % des BIP) und 55 Mrd. Euro für Infrastruktur vorgesehen. Die Folge sind Ausgaben für die Verteidigung (Unterhalt der Streitkräfte) sowie Investitionen in Bauten (militärisch und zivil), Metallerzeugnisse (Waffen und Munition) und sonstige Fahrzeuge (z. B. gepanzerte Fahrzeuge und große Drohnen).

Der massive Impuls auf die Volkswirtschaft führt zu einer erheblichen Ausweitung des Arbeitskräftebedarfs. Angesichts der Knappheiten auf dem Arbeitsmarkt kann dieser zusätzliche Bedarf nicht in Gänze realisiert werden. In Folge werden Steigerungen der Stundenlöhne über die „normalen“ Reaktionen hinaus angenommen.
 

Welche Teile der Ökonomie verändern sich wie?

  • Die Wertschöpfung fällt im Szenario höher aus als in der Basis.
  • Die Veränderung der Zahl der Arbeitsplätze ist deutlich. Wegen des demografisch bedingten Fach- bzw. Arbeitskräftemangels kommt es trotzdem zu stärkeren Lohnsteigerungen und zunehmender Konkurrenz zwischen Branchen.
  • Die CO2-Emissionen steigen wegen der ausgeweiteten Produktion. Die höheren Lohnkosten mindern allerdings den Zuwachs der Emissionen, da sich die Kostensituation in nicht primär betroffenen Branchen (Metallerzeugnisse, Bau) weiter anspannt.
  • Die Lohneinkommen und die Zahl der Arbeitsplätze wachsen und die Konsummöglichkeiten sind in Folge deutlich höher.
  • Die Schulden des Staates nehmen erheblich zu.
  • Das gilt auch für die Materialimporte. Die Produktion der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie ist materialintensiv (Stahl, Metall). Das gilt auch für die Zulieferer der Bauindustrie (Holz, Kunststoff, Keramik).
  • Der Energieverbrauch steigt nur wenig. Es kommt aber zu einer Verlagerung hin zu CO2-intensiveren Sektoren (Industrie).
     
Szenario Verfassungspaket - Statistik Überblick
GWS

Wie verändert sich die ökonomische Aktivität im Zeitverlauf?

Dargestellt ist die ökonomische Aktivität: Dabei wird ein Indikator gebildet, der sowohl auf die Lage der Unternehmen (mittelfristige Dynamik des Bruttoinlandsprodukts) als auch der Arbeitnehmer:innen (relative Veränderung der Zahl der Arbeitsplätze) gleichberechtigt eingeht. 

Über die Zeit nimmt die ökonomische Aktivität zu und erreicht 2030 ihren Höhepunkt. Zurückzuführen ist dies auf die angenommene Umsetzungsgeschwindigkeit der Investitionen bedingt durch den politischen Handlungsdruck.

Ist der politische Handlungsdruck größer als angenommen und gelingt es, gleichzeitig Genehmigungsverfahren zu verschlanken und zu beschleunigen, kann es zu einer dynamischeren Entwicklung kommen. Im umgekehrten Fall dürften vor allem anfangs nur geringe Zuwächse zu erwarten sein. Stand Juni 2025 ist der wahrscheinliche Entwicklungspfad noch nicht absehbar.

 

Szenario Verfassungspaket - Statistik Ökonomische Aktivität

Wie verändern sich Konsum, Investitionen und Außenhandel?

Welche Komponente der Nachfrage (Konsum, Investitionen, Außenhandel) prägt die Ergebnisse des Szenarios im Vergleich zur Basis? Die Drift – also die zusätzlichen Veränderungen ausgelöst durch das Szenario – ist bei den Bauinvestitionen und dem Konsum der privaten Haushalte am größten: Während die höheren Bauinvestitionen direkt auf die Maßnahmen zurückzuführen sind, rührt der höhere Konsum privater Haushalte von den besseren Beschäftigungsmöglichkeiten und den höheren Lohnzahlungen her. Die stärkeren Zuwächse der übrigen Investitionen und der Konsumausgaben des Staates (höheren Unterhaltskosten der Bundeswehr) sind auf das Szenario zurückzuführen. Viele Materialien und auch Ausrüstungsgüter (u. a. sonstige Fahrzeuge) müssen ohne weitere Maßnahmen importiert werden. Gleichzeitig steigen die Lohnkosten, die zu höheren Produktionskosten der Unternehmen und damit auch höheren Exportpreisen und geringeren Exporten führen. Der Außenbeitrag geht in Folge deutlich zurück.

Szenario Verfassungspaket - Statistik Nachfragedrift
GWS

Wie verändert sich die Leistungserstellung nach Branchen?

Welche Branchengruppen sind bei der Erstellung der nachgefragten Güter und Leistungen besonders gefordert? Die Drift zeigt, dass vor allem das produzierende Gewerbe im Szenario deutlich mehr Arbeitskräfte beschäftigt als in der Basis. In Folge profitieren Handel und Verkehr. Die Dienstleistungsbereiche haben das Nachsehen: Höhere Lohnzahlungen und die Verlagerung der Wertschöpfung hin zur Industrie vermindern die Möglichkeit, Arbeitsplätze zu besetzen. Die Folgen des Fach- und Arbeitskräftemangels werden hier deutlich sichtbar. Arbeitskräfte orientieren sich zum Teil um.

Szenario Verfassungspaket - Statistik Branchendrift
GWS

Wie verändert sich die Verteilung der Bruttolohneinkommen?

Die Verteilung der Bruttolohneinkommen nach Dezilen gibt Aufschluss über mögliche soziale Folgen des Szenarios.

Die massive Ausweitung der Investitionen führt zu einer stärkeren Auslastung im produzierenden Gewerbe. Dort werden im Vergleich zu privaten Dienstleistungen im Durchschnitt höhere Löhne gezahlt.

In Folge können vor allem mittlere und untere Bruttolohndezile relativ stärker zulegen als die höchsten Dezile. Allerdings ist der Zuwachs in Euro pro Jahr bei Hochlohnempfänger:innen weiter am größten

Szenario Verfassungspaket - Statistik Bruttolohndezile
GWS

Übergeordnete Handlungsempfehlungen

Die Unternehmen des produzierenden Gewerbes sollten sich auf verbesserte Auftragslagen einstellen. Dabei sind es nicht nur die Rüstungsunternehmen, sondern auch deren Zulieferer, die profitieren. Angesichts der kommenden Entwicklung ist ein frühzeitiges Ausrichten auf neue Ausschreibungen und die Suche nach Kooperationspartner:innen im Vorfeld sinnvoll. Das gilt auch für das Baugewerbe. Hier geht es vor allem um den Tiefbau, welcher i. d. R. in Form von Großprojekten ausgeschrieben wird. Um hier zu partizipieren, ist das frühzeitige Bilden von Konsortien für KMU sinnvoll. Es wird aber auch um Kosteneffizienz gehen: Viele der Projekte werden europaweit ausgeschrieben. Lohnkostenunterschiede zu ausländischen Anbietern kann mit effizient geplanten angebotenen Leistungen begegnet werden. Die Rekrutierung wird für alle Unternehmen schwieriger. Das produzierende Gewerbe ist im Vorteil, da hier auch bessere Verdienstmöglichkeiten zu erwarten sind. Für Dienstleistungsunternehmen, die nur begrenzt über zusätzliche Mittel verfügen werden, sollten sich auf nicht monetäre Verbesserungen der Arbeitsbedingungen konzentrieren, um Abwanderungen zu verhindern. 

Aus Sicht der Arbeitnehmer:innen verbessern sich die Lohnentwicklungen und es eröffnen sich neue Möglichkeiten: Mobilität im Hinblick auf Arbeitsort, vielleicht auch auf Branche und Beruf, kann sich mit Bezug auf Einkommen und Stellung im Betrieb auszahlen.
 

Weitere Szenarien

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Szenario Welthandel

Veränderter Welthandel mit „Branchenmuster"
(→ Automobile, Metallerzeugung)

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Szenario Klimafolgen u. Anpassung

Klimafolgen u. Anpassung 
(→ Betroffenheiten und Anpassungsreaktionen)

© Quelle: envato, Bluesandisland
Szenario erneuerbare Energien.

Wirkungen eines verstärkten Ausbaus erneuerbarer Energien.
(→ Wind, PV, Speicher und Wärmewende)

Datenbasis und Methodik

Der Atlas der industriellen Transformation basiert auf über 50 öffentlich zugänglichen Indikatoren und vergleicht 38 Regionen im Rahmen eines standardisierten Benchmarkings. Ergänzend werden Forschungsprojekte, Patente und Unternehmensdaten KI-gestützt analysiert, um regionale Transformationsaktivitäten zu identifizieren. Die zugrunde liegenden Daten stammen u. a. von der Bundesagentur für Arbeit, den Statistischen Ämtern, dem Förderkatalog (FÖKAT), dem EU-Portal CORDIS sowie der Patentdatenbank DEPATISnet.