Der Haushalt des Verteidigungsministeriums sieht eine Ausweitung von 62 Mrd. Euro im Jahr 2025 auf 153 Mrd. Euro 2029 vor. Da eine sofortige Umsetzung (Bezahlung und Fertigstellung zur gleichen Zeit) nicht wahrscheinlich ist, ist von einem stufenweisen Abarbeiten erteilter Aufträge auszugehen. Dennoch: Die BIP-wirksamen Ausgaben werden bis 2031 pro Jahr steigen und schließlich werden 90 Mrd. Euro mehr ausgegeben.
Davon werden vor allem Munition, Großfahrzeuge und elektronische Ausrüstungen bezahlt und rund 60.000 Soldaten zusätzlich in den aktiven Dienst gestellt. Ferner wird davon ausgegangen, dass errungene Erkenntnisse im militärischen Bereich auch im Zivilen eingesetzt werden können (Dual-Use). Auch durch eine engere Zusammenarbeit von militärischer und ziviler Forschung können Produktivitätsgewinne erzielt werden. Zudem wird den Herausforderungen der hybriden Bedrohung und des Zivilschutzes im Kriegsfall Rechnung getragen – alles zusammen eine gewaltige Aufgabe. Und: Die Lage ist dynamisch – in Bezug auf die Dinge, die es braucht (Panzer oder Drohnen?) und die Mengen, die benötigt werden. Es kann sich bis 2031 noch einiges ändern.
Welche Teile der Ökonomie verändern sich wie?
Mehr Resilienz im militärischen Bereich führt angesichts der immensen Herausforderungen zu starken Veränderungen bei der Wertschöpfung. Die Anzahl der Arbeitsplätze steigt zwar auch signifikant, allerdings relativ weit weniger als die Wertschöpfung: Die Folge sind hohe Zuwächse bei der Arbeitsproduktivität. Die Emissionen und auch der Energieverbrauch steigen mit der größer gewordenen wirtschaftlichen Leistungsnotwendigkeit. Die Schuldenlast weitet sich erheblich aus. Noch sieht es so aus, als ob für eine Aufrüstung in Deutschland (aber wohl auch in Europa) erhebliche zusätzliche Materialimporte notwendig sind, was ggf. die Abhängigkeit von Dritten erhöht. Im Durchschnitt weiten sich für private Haushalte die Konsummöglichkeiten.
Wie verändert sich die ökonomische Aktivität im Zeitverlauf?
Dargestellt ist die ökonomische Aktivität: Dabei wird ein Indikator gebildet, der sowohl auf die Lage der Unternehmen (mittelfristige Dynamik des Bruttoinlandsprodukts) als auch der Arbeitnehmer:innen (relative Veränderung der Zahl der Arbeitsplätze) gleichberechtigt eingeht.
Die ökonomische Aktivität nimmt erst langsam, dann stärker zu bis sie nach 2030 wieder an Dynamik verliert. Der Hochlauf braucht anfangs Zeit und Zeit ist insgesamt ein kritischer Faktor. Die Dynamik ist weiterhin von Vorgängen wie Planung, Genehmigung und Erweiterung der vorhandenen Produktionskapazitäten geprägt.
Wie verändern sich Konsum, Investitionen und Außenhandel?
Welche Komponente der Nachfrage (Konsum, Investitionen, Außenhandel) prägt die Ergebnisse des Szenarios im Vergleich zur Basis? Die Drift – also die zusätzlichen Veränderungen ausgelöst durch das Szenario – zeigt einen deutlichen Aufwuchs bei den Konsumausgaben des Staates. Hier sind u. a. die Ausgaben für die größer werdende Bundeswehr enthalten. Zudem sind die Ausrüstungsgüter durch die Nachfrage nach u. a. Munition und Großgeräten deutlich höher. Mit diesem Aufwuchs an Verteidigungsfähigkeit geht aber auch ein deutlicher Anstieg der Importe einher. Weiterhin muss Deutschland viele Güter für seine Verteidigung importieren. Schon eine Verlagerung der Importe in die EU würde die heimische Wirkung durch die ökonomische Verflechtung in Europa stärken. Mit der höheren Wertschöpfung ist zudem eine größere Konsummöglichkeit der privaten Haushalte verbunden.
Wie verändert sich die Leistungserstellung nach Branchen?
Welche Branchengruppen sind bei der Erstellung der nachgefragten Güter und Leistungen besonders gefordert? Die Drift zeigt, dass Arbeitsplätze vor allem im öffentlichen Bereich entstehen. Darin enthalten sind vorrangig die größere Zahl an Bundeswehrsoldat:innen. Es folgt das produzierende Gewerbe, das die Verteidigungsgüter (sofern nicht importiert) herstellt. Der Dienstleistungsbereich ist u. a. durch mehr IKT-Dienstleistungen geprägt, die wegen der hybriden Bedrohung hochgefahren werden. Die Veränderung von Handel und Verkehr ist auf die größere ökonomische Aktivität an sich zurückzuführen. Insgesamt ist ein deutlicher Zuwachs an Arbeitsplätzen festzustellen.
Wie verändert sich die Verteilung der Bruttolohneinkommen?
Die Verteilung der Bruttolohneinkommen nach Dezilen gibt Aufschluss über mögliche soziale Folgen des Szenarios.
Die größten Lohnzuwächse zeigen sich bei den unteren Dezilen. Es entstehen vor allem zusätzliche Arbeitsplätze in der Produktion, die solche Lohnzuwächse ermöglichen. Auch wenn die oberen Dezile relativ am wenigsten zulegen können, fallen die absoluten Lohnzuwächse hier weiterhin am größten aus.
Insgesamt ist die Wirkung auf die Lohneinkommen eher ausgewogen.
Wie verändern sich die Umsätze in den Branchen?
Die detailliertere Branchenabbildung für das verarbeitende Gewerbe zeigt die relative (in Prozent) und absolute Veränderung (in Mrd. Euro) der Produktion (ähnlich zu Umsatz) der jeweiligen Branchen im Jahr 2031.
Die Umsatzsteigerungen gehen sowohl auf direkte und indirekte Nachfragesteigerungen (Mengenkomponente) und die gestiegenen Preise (Preiskomponente) zurück. Direkte Wirkungen, die durch die Nachfrage nach Munition, Waffen und Fahrzeuge der Bundeswehr entstehen, sind bei der Branche „Sonstiger Fahrzeugbau“ festzustellen. Die Metallerzeugung und der Maschinenbau haben größere indirekte Wirkungen, die über den Vorleistungsverbund (Bestellung z. B. des sonstigen Fahrzeugbaus) entstehen. Die höheren Umsätze im Nahrungsmittelgewerbe sind auf die Einkommenssteigerungen bei privaten Haushalten zurückzuführen (induzierte Wirkung).
Übergeordnete Handlungsempfehlungen
Die Unternehmen sind sehr unterschiedlich in die Aufrüstung eingebunden: Metallerzeugnisse und sonstiger Fahrzeugbau profitieren stark. Die übrigen Branchen profitieren aufgrund ihrer Position in der Lieferkette. Die Wirkungen insgesamt könnten größer sein, wenn es gelingt, Importe zu vermeiden bzw. aus der EU zu beziehen. Bereits eine Verlagerung der Importe in das EU-Ausland würde wegen der starken Aushandelsbeziehungen Deutschlands auch bei uns positive Wirkungen erzielen. Hier bieten sich für Unternehmen auch Chancen – evtl. zusammen mit anderen (auch in anderen EU-Ländern) – europäische Produkte anzubieten oder neuartige Materialien auf den Markt zu bringen.
Aus Sicht der Arbeitnehmer:innen verbessert sich die Lage spürbar: Höhere Löhne führen zu höheren Konsummöglichkeiten. Die Branchendrift führt zu einer Stärkung der Zahl der Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe. Das bedeutet auch, dass gut ausgebildete Fachkräfte verbesserte Aussichten haben. Auch ein Wechsel in die besonders stark profitierenden Branchen kann gelingen. Damit der schnelle Aufwuchs bei der Verteidigung aber gelingt und die Lohnzuwächse entstehen, wird die Arbeitsproduktivität deutlich steigen müssen. Viele Arbeitnehmer:innen werden mit Veränderungen der Arbeitsweise konfrontiert. Z. B. ist die Umstellung von einer Manufaktur-Fertigung zu einer industriellen Produktion mit solchen Produktivitätssteigerungen verbunden.
Weitere Szenarien