Chemieindustrie im Wandel: Studie zu Lage, Risiken und Transformation

Innovation in der Chemieindustrie
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Die Chemieindustrie in Deutschland steht vor einer grundlegenden Transformation. Als großer Verbraucher von Mineralöl und Erdgas ist sie zentral für das Erreichen von Klimazielen. Eine neue Studie mit dem Titel „Lage und Risiken der chemischen Industrie“ analysiert die aktuellen Herausforderungen und mögliche Zukunftspfade der Branche.

Szenariorechnungen zeigen wachsenden Transformationsdruck

Die Studie der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) entstand im Rahmen des Projekts „Nachfrage und Beschäftigungseffekte künftiger Umweltschutzmaßnahmen“ des Umweltbundesamtes in Zusammenarbeit mit dem Institut für Innovation und Technik (iit). Die Ergebnisse der Szenariorechnungen des QuBe-Prognosetools zeigen: Der Transformationsdruck auf die Chemieindustrie wächst – insbesondere durch Regulierungen, steigende CO2-Preise und schwankende Energiepreise. Gleichzeitig belasten steigende Energie- und Lohnkosten sowie eine schwache Nachfrage auf nationalen und internationalen Märkten die Branche und hemmen damit Investitionen in effizientere Technologien.

Hoher Investitionsbedarf und unsichere Rahmenbedingungen

Die Analyse hebt den hohen Investitionsbedarf hervor, der mit dem Einsatz neuer und effizienterer Technologien verbunden ist. Kurzfristig führen diese Investitionen zu steigenden Kosten, während geopolitische Unsicherheiten und volatile Energiemärkte die Planung erschweren. Ohne externe Impulse ist daher nicht mit einer eigenständigen Entlastung der Branche zu rechnen.

Starker Druck auf Industrieregionen

Für Industrieregionen mit Braunkohle- und Chemieunternehmen bedeutet dieser Ausblick eine doppelte Belastung. Marc Bovenschulte, Mitautor der Studie und Leiter des Servicezentrums für industrielle Transformation in den Regionen, betont: „Ein besonderer Umstand ist, dass die Chemieindustrie in den Braunkohlerevieren (vor allem Lausitz, Mitteldeutsches Revier und Rheinisches Revier) in den letzten Jahrzehnten so etwas wie ein Beschäftigungsanker war: Die technisch gut ausgebildeten und auch gut verdienenden Beschäftigten im Tagebau können gemäß ihrem Fähigkeitsprofil in vielen Fällen auch eine berufliche Perspektive in der Chemie finden, wenn die Braunkohleförderung weiter zurückgeht oder spätestens 2038 ganz endet. Kommt die Chemieindustrie jetzt ihrerseits immer stärker unter Druck, verringern sich diese Möglichkeiten, sodass die Reviere gleich doppelt betroffen sind. Doch auch andere Industrien öffnen sich für die gut ausgebildeten Kumpel etwa aus der Lausitz. So bietet sich die Halbleiterindustrie in und um Dresden („Silicon Saxony“) versuchsweise als neues Beschäftigungsfeld an. Durch Cross-Industry-Kooperationen können Wertschöpfung und Beschäftigung in der Transformation profitieren.“

Politische Sicherheit und Innovation entscheidend

Die Studie unterstreicht, dass die Transformation der Chemieindustrie verlässliche politische Rahmenbedingungen benötigt. Planungssicherheit und bezahlbare Energiepreise sind entscheidend, um Investitionen in die Transformation zu ermöglichen. Gleichzeitig sind Innovationen notwendig, damit Europa im globalen Wettbewerb bestehen kann.

Die GWS ist Partner des Servicezentrums für industrielle Transformation in den Regionen.

Quellen: Lage und Risiken der chemischen Industrie. - GWS

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