Erneuerbare Energien als Standortfaktor: Steigende Energiepreise treffen Industrieregionen unterschiedlich stark
Die Folgen geopolitischer Konflikte zeigen sich zunehmend auch in den Wirtschaftsindikatoren. Nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes lagen die Importpreise für Erdöl und Erdgas im April 2026 rund 26 Prozent über dem Vorjahreswert. Gegenüber Februar 2026 – also vor Beginn des Iran-Kriegs – beträgt der Anstieg sogar 37 Prozent. Gleichzeitig ist der Containerpreisindex innerhalb einer Woche um 16 Prozent gestiegen.
Für Industrieunternehmen sind dies wichtige Signale. Steigende Energie- und Transportkosten wirken sich direkt auf Produktionskosten, Lieferketten und Investitionsentscheidungen aus. Besonders betroffen sind Branchen mit hoher Energieintensität oder international verflochtenen Wertschöpfungsketten.
Die Entwicklung verdeutlicht, dass geopolitische Risiken zunehmend in der Realwirtschaft ankommen. Während das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2026 noch leicht gewachsen ist, weisen verschiedene Frühindikatoren auf eine weiterhin fragile wirtschaftliche Lage hin.
Transformationschancen variieren regional
Allerdings sind die Auswirkungen nicht überall gleich. Industrieregionen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Branchenstruktur, ihrer Energieabhängigkeit und ihrer Einbindung in internationale Lieferketten. Dadurch entstehen unterschiedliche Risiken, aber auch unterschiedliche Transformationschancen.
Der Atlas industrielle Transformation ermöglicht einen regionalen Blick auf diese Entwicklungen. Darin haben wir mit dem Szenario „Erneuerbare Energien“ untersucht, wie sich ein beschleunigter Ausbau erneuerbarer Energien auf industrielle Transformationsregionen auswirken könnte. Gerade die teurer werdenden Energieimporte verdeutlichen, warum die regionale Verfügbarkeit erneuerbarer Energien zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor für Industriestandorte wird.
Dabei zeigen sich deutliche regionale Unterschiede: In der Region Düsseldorf-Ruhr könnte ein beschleunigter Ausbau erneuerbarer Energien besonders starke Beschäftigungsimpulse auslösen. Die Wirkungsintensität beschreibt dabei die modellierten Beschäftigungseffekte eines beschleunigten Ausbaus erneuerbarer Energien entlang regionaler Wertschöpfungsketten. Gründe sind unter anderem ihre industrielle Struktur und die vielfältigen Anknüpfungspunkte entlang der Wertschöpfungsketten der Energiewende. Gleichzeitig fallen die Beschäftigungseffekte in der Region Braunschweig-Wolfsburg im Szenario deutlich geringer aus. Dies verdeutlicht, dass Regionen aufgrund ihrer Wirtschafts- und Branchenstruktur sehr unterschiedlich auf Transformationsimpulse reagieren.
Wer wissen möchte, warum einzelne Regionen unterschiedlich stark profitieren und welche Annahmen dem Szenario zugrunde liegen, findet detaillierte Ergebnisse im Szenario „Erneuerbare Energien“ des Atlas industrielle Transformation.
Die Ergebnisse zeigen, dass die industrielle Transformation nicht überall unter denselben Voraussetzungen stattfindet und regionale Strategien entscheidend bleiben. Gerade in Zeiten steigender Energiepreise, wachsender Unsicherheiten auf den Weltmärkten und zunehmender geopolitischer Risiken können solche Unterschiede für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit von Industriestandorten an Bedeutung gewinnen. Für regionale Akteure können solche Ergebnisse Hinweise darauf liefern, in welchen Bereichen zusätzliche Wertschöpfungs- und Beschäftigungspotenziale entstehen könnten und wo es sich lohnt, regionale Transformationsstrategien gezielt weiterzuentwickeln.
Quellen:
Freitagsupdate GWS vom 22.05.2026 und 29.05.2026: gws-os.com/de/die-gws/news/freitagsupdate
Atlas industrielle Transformation: https://www.industrielle-transformation.de/atlas-industrielle-transformation
Szenario erneuerbare Energien: https://www.industrielle-transformation.de/atlas-industrielle-transformation/szenario-erneuerbare-energien
Statistisches Bundesamt (Destatis): Einfuhrpreise April 2026; Energiepreise, Erdöl- und Erdgasimporte sowie Ein- und Ausfuhrpreisindex: Ein- und Ausfuhrpreisindex - Statistisches Bundesamt