H2-Leitfaden für Thüringen: Dekarbonisierung von Industrie und Energie
Die Friedrich-Schiller-Universität Jena und der SolarInput e.V. haben den Leitfaden „Grüner Wasserstoff für Industrie & Energie“ veröffentlicht, der Ergebnisse und Empfehlungen für den Wasserstoffhochlauf in Thüringen zusammenfasst. Grundlage ist das vom Bund geförderte Projekt h2well Markthub (2023–2025). Der Leitfaden zeigt: Die Relevanz von Wasserstoff für das künftige Energiesystem steht außer Frage – entscheidend ist nun eine effiziente, sektorenübergreifende und marktkompatible Umsetzung. Aktuell bremst jedoch ein klassisches Henne-Ei-Problem den Hochlauf: Produktion, Infrastruktur und Nachfrage entwickeln sich nur schleppend parallel, während Industrie und Kommunen Planungssicherheit bei Preisen, Verfügbarkeit und Regulierung benötigen.
Neben technischen Fragen beleuchtet der Leitfaden die geopolitischen Rahmenbedingungen. Ein Mehrebenenmodell macht deutlich, dass der größte Handlungsdruck regional entsteht, politische Weichenstellungen jedoch auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene erfolgen. Grüner Wasserstoff steht dabei in direkter Konkurrenz zu billigem, aber klimaschädlichem Erdgas – eine Situation, die sich durch steigende US-Gasimporte in die EU weiter verschärft. Gleichzeitig betonen die Forschenden, dass der konsequente Ausbau erneuerbarer Energien sowie gezielte Förderinstrumente von Bund und EU den Aufbau einer wettbewerbsfähigen heimischen Wasserstoffwirtschaft ermöglichen könnten. Langfristig ließe sich so die Abhängigkeit von fossilen Importen senken und ein Wasserstoffpreis von rund drei Euro pro Kilogramm erreichen.
Der Leitfaden analysiert konkrete Einsatzmöglichkeiten in vier Sektoren: Stahl-, Zement-, Wärme- und Abwasserwirtschaft. Besonders durch Sektorenkopplung eröffnen sich erhebliche Klimaschutz- und Wertschöpfungspotenziale – etwa durch den Einsatz von Wasserstoff in der Stahlproduktion, bei der CO₂-intensiven Zementherstellung, in der Fernwärme oder in Kläranlagen. Ergänzend wird der frühzeitige Ausbau von Qualifikationen als Schlüssel für eine sozialverträgliche Transformation hervorgehoben. Um den Markthochlauf erfolgreich zu gestalten, empfehlen die Autorinnen und Autoren koordinierte Maßnahmen auf allen Ebenen: von grünen Leitmärkten und Investitionsförderung über schnellere Genehmigungen bis hin zur Stärkung regionaler Netzwerke und der Einbindung der Zivilgesellschaft. Die Ergebnisse werden Anfang Februar im Rahmen eines Forschungskolloquiums an der FSU Jena öffentlich vorgestellt.
Quelle: H2-Leitfaden für Thüringen: Dekarbonisierung von Industrie und Energie - H2-news.de