Technologien im Carbon Management: Ein Schlüssel zur Klimaneutralität in der Industrie
Industrieproduktion geht mit hohen CO₂-Emissionen einher. Zwischen 1990 und 2023 konnten dank Effizienzsteigerungen, Emissionsvermeidung und dem Umstieg auf erneuerbare Energien bereits 44 Prozent der Industrieemissionen reduziert werden. Doch um die Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen, reichen natürliche Kohlenstoffsenken nicht aus. Hier kommen moderne Carbon Management Technologien ins Spiel.
Warum Carbon Management?
Natürliche CO₂-Senken wie Wälder, Ozeane und Böden nehmen jährlich etwa 39 bis 55 Millionen Tonnen CO₂ auf – eine Zahl, die im Vergleich zum globalen CO₂-Vorrat unbedeutend ist. Um unvermeidbare Restemissionen zu verhindern, müssen diese technisch erfasst, genutzt oder dauerhaft gespeichert werden.
Technologien: CCU und CCS
Zwei zentrale Ansätze im Carbon Management sind:
- Carbon Capture and Utilization (CCU): Hier wird das abgefangene CO₂ in Produkte umgewandelt.
- Carbon Capture and Storage (CCS): Dabei wird das CO₂ geologisch gespeichert, sodass es dauerhaft außerhalb der Atmosphäre bleibt.
Beide Technologien sind wesentliche Bausteine, um die Vorgaben des EU-Emissionshandels und die Klimaziele zu erreichen. Unternehmen setzen aus Kostengründen und nach dem Prinzip „reduce before capture“ verstärkt auf Maßnahmen zur Emissionsvermeidung, sodass die Abscheidung nur für unvermeidbare Emissionen zum Einsatz kommt.
Internationale Erfolgsgeschichten
Die Praxis zeigt, dass CCS bereits seit Jahren erfolgreich umgesetzt wird. Projekte wie Sleipner (seit 1996) und Snøhvit (seit 2008) in Norwegen beweisen, dass CO₂ sicher abgeschieden und gespeichert werden kann. Ein besonders innovatives Beispiel ist das Projekt CarbFix in Island, bei dem CO₂ in wenigen Jahren zu festem Stein mineralisiert wird – eine Lösung, die nicht nur schnell, sondern auch kosteneffizient ist.
Beispielprojekte in Deutschland
Auch in Deutschland schreiten die Vorbereitungen voran. Zwei Projekte, EVEREST und CO2LLECT, wurden für den EU-Innovationsfonds ausgewählt. Während CO2LLECT am Zementwerk Rüdersdorf das Ziel verfolgt, jährlich 1,3 Millionen Tonnen CO₂ zu erfassen und bis 2030 eine vollständige Dekarbonisierung anzustreben, plant die Rheinkalk GmbH mit dem EVEREST-Projekt, bestehende Öfen mit speziellen Abscheidungssystemen umzurüsten – so sollen bis zu 1,4 Millionen Tonnen CO₂ eingespart werden.
Fazit
Klimaneutralität in einer Industrienation wie Deutschland ist nur durch das Zusammenspiel von Effizienzsteigerungen, erneuerbaren Energien und moderner Carbon Management Technologie möglich. CCU und CCS stellen dabei technische CO₂-Senken dar, die natürliche Kapazitätsgrenzen überwinden.
Quelle und mehr Informationen: https://background.tagesspiegel.de/energie-und-klima/briefing/co2-im-griff-carbon-management-als-weg-zur-nachhaltigen-industrie