Transformationskompass 2025: Unternehmen sehen Risiken – und handeln trotzdem
Mit dem neuen Transformationskompass 2025 legt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) eine umfassende Standortbestimmung zur wirtschaftlichen Transformation Deutschlands vor. Die Analyse kombiniert ökonomische Daten mit einer repräsentativen Unternehmensbefragung und ordnet den Fortschritt entlang der vier großen Handlungsfelder Dekarbonisierung, Digitalisierung, Demografie und Deglobalisierung ein.
Wettbewerbsfähigkeit unter Druck
Die IW-Befragung macht deutlich: Viele Unternehmen sehen aktuell mehr Risiken als Chancen. Fast 56 % der befragten Betriebe empfinden ihr Geschäftsmodell durch steigende Transformationskosten als gefährdet. Gleichzeitig zeigen sich über 40 % zuversichtlich, sich erfolgreich anpassen zu können. Besonders skeptisch sind das Baugewerbe und energieintensive Branchen – lediglich die Energie- und Entsorgungswirtschaft sieht derzeit ein leichtes Chancenübergewicht.
Investitionshemmnisse und Handlungsbereitschaft
Große Hemmnisse liegen laut Unternehmen in der unklaren Kosten-Nutzen-Relation, unsicheren politischen Rahmenbedingungen und rechtlichen Unklarheiten. Positiv bewertet wird hingegen, dass sich die Verfügbarkeit klimafreundlicher Technologien verbessert hat – nur noch ein Fünftel der Unternehmen nennt diesen Punkt als Hürde (2023: ein Drittel).
Trotz aller Unsicherheiten handeln viele Unternehmen:
- 44 % setzen gezielt auf Energieeffizienz und Kreislaufwirtschaft
- Fast ebenso viele nutzen oder erzeugen erneuerbare Energien
- Rund 40 % engagieren sich im Bereich emissionsärmerer Mobilität, energetischer Gebäudesanierung oder betrieblichen Nachhaltigkeitsinitiativen
Datenlage: Transformation mit Verzögerung
Im strukturellen Überblick zeigt der Kompass, dass der Transformationspfad noch nicht gleichmäßig voranschreitet:
- Bei der Dekarbonisierung kommt vor allem der Stromsektor voran. Der Gesamtanteil erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch lag 2023 in Deutschland jedoch nur bei 21,5 % – unter dem EU-Durchschnitt von 24,6 %.
- In der Digitalisierung bestehen Rückstände im Glasfaserausbau (30 % gegenüber 64 % EU-weit) und bei der digitalen Verwaltung (nur 29 % der vorgesehenen Leistungen bundesweit verfügbar).
- Der demografische Wandel erfordert Maßnahmen zur höheren Erwerbsbeteiligung, insbesondere von Frauen. Die Vollzeitquote stagniert seit Jahren bei 38 %.
- Im Bereich Deglobalisierung wird auf die hohe Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern hingewiesen. Eine Diversifizierung der Lieferketten gilt als strategische Notwendigkeit.
Fazit und Ausblick
Der Transformationskompass unterstreicht: Deutschland steht unter Handlungsdruck – nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht. Die Studienautoren empfehlen daher mehr Investitionssicherheit, Planungskontinuität und Umsetzungstempo, um Unternehmen gezielt zu entlasten und zugleich Potenziale in neuen globalen Märkten zu erschließen.
Quelle: https://www.iwd.de/artikel/transformation-braucht-kontinuitaet-und-tempo-656965/